BEWERTEN
 

Diverse

»Quantic presents – The World’s Rarest Funk 45s«

[Jazzman]

Text: Lars Bulnheim, Lars Bulnheim

Hier mit Musikernamen zu operieren wäre so überflüssig wie ein Kropf. Kennt eh keiner! Ein paar Fragen sind dagegen geboten: Was hat eigentlich die Rarität einer Platte mit deren Qualität zu tun? Überhaupt diese Fetischisierung alter Vinyl-Singles: Haben diese Sammler in ihrer analen Phase nicht mit ihrem Kot spielen dürfen? Was würde Freud dazu sagen? Egal, wie fraglich der thematische Rahmen bezüglich der Auffindbarkeit originaler Singles sein mag, es gilt hier eine Musik zu beurteilen, die unter Bedingungen entstanden ist, bei der 99 % der heutigen Musiker heulend ihren Manager anrufen würden. Rauer, ungeschönter Funk, wurde grob eingeordnet zwischen 1967 und 1974 in der dritten Welt innerhalb der ersten eingespielt.

Der soziale Entstehungsort und die Rarität dieser Schallplatten bedingen einander: Lokale Bands begeisterten sich für James Brown und Sly & The Family Stone und spielten diesen Sound in irgendwelchen Hinterhofstudios oder Garagen nach. Die auf 45s gepressten Miniauflagen wurden bei Konzerten oder aus dem Kofferraum verkauft. Distribution? Fehlanzeige! Airplay? Pustekuchen!! Von einigen der hier versammelten Songs sind noch zwei oder drei Kopien übrig. Der Rest? Zerkratzt, in die Tonne getreten, verschollen. Musik und Sport waren und sind die Tickets aus dem Ghetto, und wer wissen will, wie sich zerplatzte Träume vom sozialen Aufstieg anhören, findet hier 16 Blaupausen zum Thema \"mit Talent und Würde scheitern\". Heute kann man diese Kleinode bei eBay in Gold aufwiegen lassen. Dank DJs wie Keb Darge, Ian Wright, James Trouble, Eothen Alapatt, Florian Keller oder dem Japaner Daisuke Kuroda hat sich dieser, in seiner rhythmischen Intensität ohne Konkurrenz stehende Sound längst in den Clubs etabliert. \"Gute Musik ist zeitlose Musik\", manifestieren die umfangreichen Linernotes, um von vorneherein den Oldie-Vorwurf zu entkräften. Und die oben genannten DJs werden nur deshalb gebucht, weil sie genau diese 45s besitzen und auch spielen. Einer wie Keb Darge spielt in seinen Sets mal eben den Gegenwert eines Mercedes runter. Vergleicht das mal mit DJ xy aus der Indie-Disco. Das mag man lächerlich finden und den Markt verfluchen, aber dafür gibt es schließlich diese CD. Und seid euch sicher: Diese Musik ist baaad, um im klassischen Run-DMC'schen Umkehrschluss zu enden: Bad meaning good!



Artikel kommentieren
aus Intro #136 (März 2006)
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Lars Bulnheim, Lars Bulnheim
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
  • » Diverse - Photek DJ-Kicks
  • » Diverse - A Tribute To Japanische ...
  • » Diverse - Sonig Boxset Thing
  • » Diverse - Factory Records: 12
  • » Diverse - »Stimmen Bayerns – Die Liebe«
  • » Diverse - »Stimmen Bayerns – Der Tod«
  • » Diverse - Oh, dieser Sound – Stars...
  • » Diverse - Coming Home By DJ Hell
  • » Diverse - Freude am Tanzen 5zig
  • » Diverse - Werkschau
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 
Anzeige
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]

 
  • THREADS ZU DIESEM ALBUM

  •