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Electric President

»Electric President«

[Morr Music / Indigo / Hausmusik / VÖ: 13.01.2006 ]

Text: Christian Wessels, Christian Wessels

Dass erst ein europäisches Label um die Ecke kommen muss, um die Brillanz dieses Albums zu erkennen, lässt mich ratlos zurück. Was zum Teufel spielen die US-College-Radios denn den lieben langen Tag, wenn nicht das hier? Wen suchen die Sub Pops und Saddle Creeks seit Jahren, wenn nicht diese beiden Nerds aus Jacksonville, Florida? Ben Cooper (23) und Alex Cane (21) haben einen dermaßen hell strahlenden Stern an den Indiepop-Himmel gezimmert, dass es kracht. In ihren Schlafzimmern und Geräteschuppen haben sie an einer Schnittstelle geschliffen, haben acht Monate lang Vorlieben und Referenzen aneinander gewöhnt, liebevoll zusammengefügt. Death Cab For Cutie klingen durch, die frühen Eels (vor ihrer schäbigen Blues-Bart-Phase), Lou Barlows Folk Implosion zur wunderbar loopigen \"One Part Lullaby\"-Zeit.

Und diese bewusst spröde Melange schielt dann in der Machart noch mit halbem Auge auf die pop-polierten Semi-Laptop-Artists, die Morr Music seit Jahren so geschmackssicher signt: Lali Puna, Styrofoam, The Go Find etc. Jenseits des Namedroppings bleibt eine hochmelodische, liebevoll arrangierte und rhythmisch variabel programmierte Liedersammlung. Großartig! Mehr weiß nur noch Ben von der Band:

Das Verhältnis von Elektronika und richtigen Instrumenten verändert sich im Laufe der Platte immer wieder. Hattest du einen Masterplan? Ja. Eine der zentralen Ideen war es, Computer so weit wie möglich in den Entstehungs-Prozess des Albums zu integrieren, sie neben Gitarren, Bass etc. als gleichwertiges Instrument zu benutzen. Wir wollten die elektronischen Instrumente außerdem untrennbar mit den akustischen vermischen. Am Ende klingen einige Songs elektronischer, einige akustischer - aber jedes Stück lebt in beiden Welten.

Die Aufnahmesituation war ein bisschen merkwürdig, oder?
Achtzig Prozent der Platte haben wir in Alex' Schlafzimmer aufgenommen. Die Vocals und einige andere Instrumente nehme ich aber lieber bei mir zu Hause auf. Dort habe ich allerdings keinen Platz und arbeite deshalb in einem alten Geräteschuppen. Weil ich an einer sehr belebten Straße wohne, nehme ich meistens nach Mitternacht auf. Es gibt dann weniger Autos, weniger Unterbrechungen. Neben dem Geräteschuppen ist allerdings auch eine Wasserpumpe, die alle 20 Minuten anspringt. Sie läuft immer nur etwa eine Minute, aber sie ist sehr laut. Die Autos schaffen es nicht immer, meine Aufnahmetakes zu ruinieren, die Pumpe wohl. Ich habe versucht, sie mit Handtüchern abzuhängen und schallzudämmen, aber das hat nicht funktioniert. Ich habe einfach gelernt, damit klarzukommen. Auf eine Art hat es mir auch geholfen: Meine first takes sind besser geworden - aus Angst vor dem mühsamen nächsten Versuch.

Was Veröffentlichungen angeht, seid ihr ein unbeschriebenes Blatt. Wie kam der Kontakt zu Morr Music zustande?
Richtig, ich habe bisher noch nichts veröffentlicht. Ich wollte, aber ich wusste nicht genau, wie ich es anstellen sollte. Vor einigen Jahren hatte ich hier in den Staaten einige kleine Angebote, die sich aber alle zerschlagen haben. Anfang des Jahres hat ein Freund das Album an Styrofoam weitergegeben. Er mochte die Aufnahmen und erzählte Thomas Morr davon. Thomas schaute sich die Website an, hörte sich einige Stücke an. Er kontaktierte mich und fragte, ob ich Interesse an einer Veröffentlichung auf Morr Music hätte. Ich war sehr aufgeregt - ich bin schon seit einiger Zeit ein Fan des Labels - und sagte natürlich zu. That's it: Leute, die Sachen weitergeben. In Amerika habe ich nach wie vor kein Label.



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