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»DJ-Kicks – The Exclusives«

[!K7 / Rough Trade]

Text: Christoph Büscher, Ernst Hope, Christoph Büscher, Ernst Hope

Für & Wider

DJ-Mixalben sind zwar nicht mehr das Coolste unter dem Himmel, doch über die Bedeutung und den riesigen Erfolg, den die \"DJ-Kicks\"-Serie seit Mitte der 90er hatte, darf das nicht hinwegtäuschen. Zehn Jahre später und zur Feier der 25. Veröffentlichung präsentiert das Berliner !K7-Label eine ganz besondere Folge der \"DJ-Kicks\": Während bei den bisherigen Nummern Leute wie Kruder & Dorfmeister, Kid Loco, CJ Bolland, Terranova oder Erlend Øye (um nur einige zu nennen) ihre Lieblingstracks anderer Künstler präsentierten, handelt es sich bei \"The Exclusives\" - der Name lässt es erahnen - um eine Compilation mit vierzehn exklusiven Tracks der an \"DJ-Kicks\" beteiligten Musiker.

Exklusiv meint dabei allerdings nicht unbedingt neu: Kruder & Dorfmeisters Opener \"Black Baby\" wurde z. B. als Maxi bereits 96 veröffentlicht und ist damit ein echter Golden Oldie. \"Bronx Theme\" von DJ Cam gab's auf dessen \"DJ-Kicks\", und auch Playgroups Coverversion von Depeche Modes \"Behind The Wheel\" oder Tigas Version von \"Hot In Herre\" sind bereits gestandene Tanzflächen-Bomber. Echte Fans dürften hier also nicht viel Neues finden. Als historischer Überblick über !K7-Hits bewegt sich \"The Exclusives\" aber allemal auf hohem Niveau.
Christoph Büscher

Das Ansehen des fein gesponnenen DJ-Mixes in Tonträgerform, eigentlich doch also einer feinen Sache, hat in den letzten Jahren unnötig stark gelitten. Das ist natürlich einerseits der geradezu inflationären Flut an \"DJ-Kicks\"-Nachahmern und -Fakern zu verdanken, die die so galant aufgerissene Marktlücke stante pede schmerzfrei und dummdreist überflutet haben - andererseits hat die Mutter aller Mixes sich selbst im Laufe der vielen Jahre ihrer Existenz eine sehr merkwürdige Art Wahrnehmungsgrab geschaufelt. Muss ja auch mal gesagt bzw. geschrieben werden. Lange vorbei die Zeiten, in denen beispielsweise die \"DJ-Kicks\" von geschulten Visionären wie K&D, Rockers Hi-Fi, Vikter Duplaix oder Kid Loco nicht nur den üblich verdächtigen Nerds und Decksharks neue Horizonte aufzeigten, sondern mit nicht kopierbarem Qualitätslevel, stilvollem Genre-Hopping, wirklich hervorragendem Flow und obendrein individuellen Veredelungen gerade den Nicht-Fachleuten eine Menge Spaß in Haus, Auto, Garten und Bar vermitteln konnten. In Zeiten wie diesen jedoch dürfen inzwischen, dem Hype sei's gepfiffen, sogar grundlos überschätzte Quietscheentchen lange vor Beendigung der Produktion ihres Debütalbums eine eigene \"DJ-Kicks\" zusammenrühren. Die dann natürlich nicht nur besonders schlecht ausgewählt, sondern auch noch schamlos dilettantisch gemixt ist (und somit die schmeichelnde Titel-Überschrift letztlich gar nicht erst verdient). Zeitgeist, wir wissen es längst, ist beileibe kein Ersatz für seelenvolle Maßarbeit mit Herzblut ... und wird es auch nie werden. Dieses Dilemma wird eindrucksvoll auch auf diesem Tonträger dokumentiert, der viele der exklusiv für die Reihe komponierten Tracks von \"DJ-Kicks\"-Compilern timelinemäßig aufs Schnürchen zieht und so viele Erinnerungen triggert. Mit \"Black Baby\" von Kruder & Dorfmeister schloss damals der bis heute zu Recht weitaus erfolgreichste Teil der Serie, hier beginnt damit die Reise. Und die heutzutage größten Kritiker von Elchen wie Thievery, Trüby Trio oder den Stereo MC's waren alle früher selber welche. Als man \"so was\" in den Medien noch \"cool\" finden durfte. Mit der Playgroup dann nahm das ins Gegenteil verkehrte Unheil seinen Lauf: Plötzlich waren auch in Sachen \"DJ-Kicks\" Electroclash-Gewürge, tragische Dokumentationen tranigen 80s-Dilettantismus' um jeden Preis und eine eindimensional grelle Showattitüde wichtiger als wirklich gute Musik. Das Kalb so schön gülden, also lasset uns tanzen. Erlend Øye konnte für seine \"Kicks\" zumindest noch ein, zwei Sympathiepunkte durch launiges Mitsummen einheimsen, die Glimmers-Folge wollte ich bereits damals zwingend verpassen (und weiß jetzt wieder, warum). Und Annie, ja, Annie, die war ja das kleine Entchen von weiter oben, über das in zwei Jahren vermutlich niemand mehr reden wird (falls dem nicht so ist, bin ich halt unbekannt verzogen). Das Ganze hier also eine audiophile Chronik des Scheiterns einer brillanten Idee, die wirklich himmlisch anfängt und sich dann - in trauter Einheit mit dem hierzulande hauptsächlich printmedial verschuldeten \"Lauf der Zeit\" - so rasant unter die Erde abseilt, dass der mit Abstand beste \"DJ-Kicks\"-Exclusive-Track hier gleich mal vergessen wurde: der von Rockers Hi-Fi nämlich. Who's next in line for \"DJ-Kicks\"? US5 etwa? Blumfeld, die Tocos? Dann doch gleich Angela Merkel. Lieber wäre uns, ähm, Stuckrad-Barre meets Schlingensief oder die Kuttner vs. Roche. Da weiß man wenigstens vorher definitiv, dass zumindest die Zumutungsgrenze garantiert konstant überschritten wird. Das findet die Zielgruppe ja angeblich so toll, nicht wahr? Confessions on a dancefloor? Oh black baby, you were born to bear a heavy load.
Ernst Hope



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aus Intro #136 (März 2006)
 
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