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The Double

»Loose In The Air«

[Matador / Beggars Group / Indigo / VÖ: 17.02.2006 ]

Text: Tobias Mull, Tobias Mull

Ein Klang wie aus einem dreckigen Gully in Brooklyn: Dub-Klappern, leise quakendes Keyboard, Gitarrenshrink. Großstadtsurren. Sachte hangelt sich Sänger und Bassist David Greenhill an einer Melodie zwischen Yoko Ono und Interpol an die Oberfläche. Die ganze Bande folgt ihm, schleicht sich in den nächsten Club, gibt die Tanzkapelle und brennt dann den ganzen Laden einfach nieder. Und das war nur der erste Song. Das ganze Album des New Yorker Quartetts ist durchzogen von dieser Art Spannung, von einem knarrenden Rauschen, von einer unterschwelligen Angst - bloß keine Langeweile. Und so drohen die Songs jederzeit auseinander zu brechen, sich in die Bestandteile Noiserock, 80er-Indie und Pop aufzulösen.

Mit Sound und Songwriting schaffen The Double auf ihrem dritten Werk - nach \"Loose Crochet\" (2002) und \"Palm Fronds\" (2004) - einen Spagat zwischen allen Stilen und Paranoia. \"Idiocy\" ist ein Popsong in Modest Mouse, \"Ripe Fruit\" schlurft präzise durch die Morgenstunden einer Kiffer-Kommune, und \"In The Fog\" malt graue Balladenschwüre auf die renovierungsbedürftige Wand über dem alten Cord-Sofa. Doch die Gratwanderung zwischen Popmelodien, wüst verzerrten Gitarren, dunkel scheinenden Keyboards, Diskobass und psychedelischen Spielereien gelingt nicht ganz ohne Opfer. So wirkt \"Hot Air\" anfangs lediglich wie ein weiteres üppiges Mahl von Mama Peyote - aber schnell schauen die Doors bedrohlich um die Ecke. Zu den Tönen einer billigen Kirmesorgel greifen diese mit ihren ranzigen Plattenbörsen-Psychedelic-Händen nach dem Hörer, und dabei geht beinah der eigenständig schöne Popanstrich flöten. Gerade noch so retten sich The Double mit einer Noise-Eskapade vor dem Untergang in die Trivialität. Glück gehabt. Am Ende purzelt der Vierer gedankenversunken wieder in den Untergrund. Langsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit. Oben schiebt einer den Gullydeckel über den Schacht, und The Double singen leise und mit flammenden Lippen weiter ihre kleinen Lieder.



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