BEWERTEN
 

Creme De Menthe

»The Impossibility Of Eroticism In The Suburbs«

[Disko B / xxx / VÖ: 29.09.2006 ]

Text: Sebastian Ingenhoff, Sebastian Ingenhoff

Das Ganze fängt eigentlich vielversprechend an. Ein Pluckerbass läuft herausfordernd vor sich hin, der Synthesizer deutet so etwas ähnliches wie eine Gitarre an ... und dann fängt der Typ plötzlich an zu singen. Ich meine, nicht dass mich wer falsch versteht, singen finde ich ja per se erst mal gut. Aber bitte nicht in dieser aufdringlich gepressten dunklen Vocoder-Variante. So sorgt nicht zuletzt diese Stimme dafür, dass sich die Musik von der schottischen Ein-Mann-Band Creme De Menthe durchaus unter dem eigentlich deutsch-belgischen Genre Electronic Body Music rastern lässt. Deutsch-belgisch mit all seinen negativen Konnotationen.

Bands, die Blutengel, Sargständer oder gar Goethes Erben heißen, drängen sich hier ins Gedächtnis hinein. Dabei wurde mir die CD von dem zuständigen Redakteur noch mit dem vielversprechenden Verweis auf das gerade anstehende Rave-Revival in die Hand gedrückt. Von Rave gibt es bei den ersten Stücken nicht die Bohne einer Spur. Mit Hilfe digitaler Tools wurde lieblos etwas zusammengekleistert, das sehr gerne Human League und manchmal auch Kraftwerk wäre (ein Sample von “Computerwelt” taucht auf), aber leider an der zu hohen Hürde scheitert und vor Tumbheit nur so sprüht. Die Songs nennen sich “Plastique” oder “We Are Living In The Night”, und die Titel sprechen ziemlich für sich. Am Ende der CD gibt es dann tatsächlich Rave. Aber so spielzeugmäßig produziert, dass ich die eventuell dahinter stehende Ironie gar nicht erst blicken möchte. Das Stück “Ryah-Dam” klingt ziemlich stark nach diesen Projekten, die immer mit Peter Heppner und Konsorten kollaborieren. Also sehr nervig. Sorry Disko B, das hier ist der größte Unfug, den ich seit langem von euch gehört habe. Und wer wirklich ein Rave-Revival haben möchte, höre sich besser mal die neuen Sachen von Einmusik auf Italic Records an. Die sind weitaus interessanter und auch komplett ironiefrei.



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