BEWERTEN
 

New Black

»Time Attack«

[Thick / Soulfood / VÖ: 14.09.2005 ]

Text: Ulf Imwiehe, Ulf Imwiehe

Küssen oder sich mit nacktem Oberkörper durch zerbrochene Bierflaschen wälzen? Hedonismus oder Destruktion? Dekadenz oder Dosenbier? Das eine muss das andere ja nicht ausschließen, schon gar nicht im Punk, und so tritt auch das wavig-frostige X-Ray-Spex-Update aus Chicago mit dem Anspruch an, das Beste beider Welten zu vereinen. Sympathisch kaputt und sexy zeichnet das Quartett nervig-verführerische Neon-Szenarien und kalte Beton-Finsternis und interpretiert seinen überwiegend hektischen Koks-Mosh mit Bleifuß und ordentlich Irrsinn im Tank. Manchmal droht die exaltierte Coolness zwar in plakativ blasierten Snobismus umzuschlagen, die Inbrunst, mit der die Band ihre überwiegend offensiv treibenden Songs interpretiert, rettet das Material jedoch verlässlich vor den Auswirkungen gefühlstötenden Disco-Schnupfens.

Vor allem der Wechselgesang zwischen Gitarristin Patti Gran und Bassist Liam Kimball weiß hier zu bestechen, wobei Letzterer zwar eher sparsam wirklich mitreißende Akzente setzt, dafür jedoch ein interessantes neurotisches Moment sein Eigen nennen kann. Es ist aber eindeutig Gran mit ihrem bisweilen an Hanin Elias erinnernden Timbre und der Extraportion Fuck-you-Power, die hier die Show schmeißt. Küssen oder schneiden? Einigen wir uns doch aufs Wunden-Küssen.



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