BEWERTEN
 

Nils Petter Molvaer

»ER«

[Emarcy / Universal / VÖ: 28.10.2005 ]

Text: Moritz Sauer, Moritz Sauer

Wenn elektronische Musik auf Jazz trifft, dann wird da gerne drauf hingewiesen. Dann hat das oft so etwas von: Schau an, wir sind komplex, wir sind intellektuell. Und Jazz wird von Musikern immer gerne vereinnahmt, weil es einfach cool klingt, wenn man jazzy ist. Auf der anderen Seite tapsen dann auch gerne Jazzer, die ihren Jazz mit elektronischer Musik verweben wollen, in einige Fettnäpfchen. Oft klingen solche Alben dann entweder esoterisch-kitschig, sind die Beats flach produziert, und/oder der Jazzer hatte keine Ahnung von Sounddesign oder mochte dann doch nicht wirklich freakige Sounds, vor allem nicht auf seinem Instrument. Glücklicherweise treffen diese Vorurteile nicht auf das Album des norwegischen Trompeters zu.

Denn Nils Petter Molvaer arbeitet tatsächlich vorurteilsfrei mit seinen Produzenten zusammen und konzentriert sich in erster Linie auf sein elegisches und mondänes Trompetenspiel. Das klingt vor allem unglaublich nebelverhangen und melancholisch-düster. Dem einen oder anderen mag das zu viel traurige Dichte, zu pathetisch sein, aber mit den komplexen und schweren TripHop-Beats gehen die komplexen Songs in die Weite. So richtig laut bauen sich da schwermütige Weiten mit Tiefe auf. Das hat schon was und ist äußerst eigenständig. Großartig schmiegt sich in das Ganze die seelenwunde Stimme von Sidsel Endresen auf \"Water\" und \"Only These Things Count\". Ein elegantes und wehmütiges Album für einsame Stunden. Der Winter kommt.



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