BEWERTEN
 

Bobby Hebb

»That’s All I Wanna Know«

[Tuition / AL!VE / VÖ: 04.11.2005 ]

Text: Anke Bajuwari, Anke Bajuwari

Ja, genau! Der Typ, der \"Sunny\" geschrieben hat, diese Blaupause eines One-Hit-Wonders. Wie das immer so ist: Das, was im öffentlichen Gedächtnis haften bleibt, ist der Oldie-Radio-Hit - aber natürlich war da mehr. Bobby Hebbs Kariere muss man sich wie eine Fieberkurve vorstellen: Straßentänzer, Sessionmusiker mit Einflüssen jenseits der Rassengrenzen, Folk, Country, Pop. Ein paar Singles, die im Nirwana der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Schließlich dicker Plattendeal, kurzer \"Sunny\"-Starruhm, Vorprogramm der Beatles, kreischende Mädchen. Dann der Absturz: kein Nachfolgehit, Plattendeal weg, Alkohol und runter vom hohen Ross.

Und für heute muss man wohl im Arbeitsamtjargon über Bobby Hebb sagen: schwer vermittelbar, über 60, schwarz und viel zu sehr alte Schule. Aber dafür gibt es ja Independent-Labels wie Tuition, die schon den Geschenkartikelmarkt mit zwei Alben voller \"Sunny\"-Adaptionen bereichert haben. Nun entstand ein Album voller Coverversionen, teils von neu eingespielten eigenen Kompositionen, teils von Song-Rosinen der geschmackssicheren Jungs-Plattensammlung: Hank Williams, Syl Johnson, Little Milton, Johnny Adams oder was die Post sonst noch so an ebay.com-Gewinnen auf europäische Plattenspieler zaubert. Herausgekommen ist ein feines Album, das sich manchmal etwas zu sehr an hiesigen Vorstellungen von klassischem Soul orientiert mit jener obligatorischen, orgellastigen Funkiness, die - mehr Spreu als Weizen - eher den Schaukelstuhl als den Arsch wackeln lässt. Und trotzdem ist es eine Freude, Bobby Hebb zuzuhören; man wünscht sich ein contemporary Adult-Music-Radio herbei, das Platten wie diesen den nötigen Respekt zollt. Es ist in den erhabenen Momenten etwas von Burt Bacharachs Lässigkeit zu spüren und in den Ich-skip-mal-einen-weiter-Momenten überambitioniertes Könnertum der etwas zu cleanen Band. Bei aller Freude stellt sich die Frage, warum ein klassischer Songwriter nach mehr als drei Jahrzehnten VÖ-Abstinenz und einem Opus, groß wie das Köchelverzeichnis, ausgerechnet eine Platte mit Coverversionen einspielen musste? Kalkül mit der Kaufkraft der Generation Kneipen-DJ, oder \"don't you worry, baby, the best is yet to come\"?



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