BEWERTEN
 

Delia Gonzales & Gavin Russom

»The Days Of Mars«

[DFA / Emi / VÖ: 28.01.1997 ]

Text: Martin Büsser, Martin Büsser

Es flirrt und surrt, bis die Kabel im Kopf durchbrennen. \"The Days Of Mars\" ist der konsequenteste Psychedelic seit langem, dermaßen dominant und suggestiv, dass der Raum selbst noch bei niedrigster Lautstärke vibriert. Auf Analogsynthesizern hat das Duo vier an die 15 Minuten heranreichende Stücke eingespielt, die noch einmal mit voller Wucht demonstrieren, wie viel Energie elektronische Musik entwickeln kann. Doch es geht nicht ums Tanzen, auch wenn hier Elemente der frühen Discomusik eingesetzt und brutal repetitiv wiedergegeben worden sind. Die pumpenden Sounds von Suicide, der Größenwahn eines Jean Michel Jarre und die verkifften Zeitschleifen früher Tangerine Dream oder Popol Vuh kommen auf \"The Days Of Mars\" zusammen, es wurden jedoch weder der Rock'n'Roll von Suicide und das Pathos von Jarre übernommen noch die Esoterik der deutschen Synthie-Pioniere.

Denn Gonzales und Russom, die ursprünglich aus der New Yorker Kunstszene stammen, haben einen extrem minimalistischen Ansatz, mit dem sich Bombast nicht verträgt. Dass sich hier über einen langen Zeitraum so wenig verändert, lässt die Nummern zu einem Sog werden, von dem man wünscht, er möge Stunden andauern. Dieses Meisterwerk schaltet Lampen im Hirn ein, von deren Existenz und Helligkeit man bis dahin noch gar nichts wusste.



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