BEWERTEN
 

Dirty Three

»Cinder«

[V2 / Rough Trade / VÖ: 14.10.2005 ]

Text: Henrik Drüner, Henrik Drüner

Dass Warren Ellis, Mick Turner und Jim White es überhaupt noch schaffen, gemeinsam Musik zu machen, verdient schon Anerkennung. Immerhin leben die Mitglieder von Dirty Three auf drei Kontinenten – da kann man nicht mal schnell zum Telefon greifen, um sich für eine kurzfristige Session im benachbarten JuZ zu verabreden. Aber das meist probenlose Arbeiten geht nun schon seit 14 Jahren und sieben Alben so. Von daher steht „Cinder“ stellvertretend für ein weiteres Kapitel in der bewegten Bandgeschichte der etwas anderen Folk-Gruppe. Was The-Bad-Seeds-Violinist Ellis, Gitarrist Turner und Schlagzeuger White an melancholisch-schrägen Songs aus dem Ärmel schütteln, ist wirklich erstaunlich.

Elegische kleine Seltsamkeiten, die auf einem abstrakten Songwriting und hohen Improvisationsanteil (wie gesagt: Proben sind Luxus!) beruhen und auch selten genutzte Instrumente wie Mandoline, Bouzouki oder Dudelsack mit einbringen. Casey Rice, der bisher schon Tortoise und The Sea And Cake produzierte, hatte im Melbourner Studio sicher alle Hände voll zu tun, die elegant disharmonischen Höhepunkte der Songs herauszuarbeiten; diese sind bei „Ever Since“, „Sad Sexy“ oder „Dream Evie“ besonders schön. Ein Novum gibt es auch zu vermelden: Der Gesang von Chan Marshall alias Cat Power und Sally Timms (Mekons) ist der erste Vokalbeitrag bei Dirty Three. Eine gelungene Verschnaufpause ist „Great Waves“ damit in der Mitte des Albums – der penetrante Violineinsatz kann bei 19 Songs zu einer Herausforderung werden.



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