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Vashti Bunyan

»Lookaftering«

[Fat Cat / Pias / Rough Trade / VÖ: 14.10.2005 ]

Text: Martin Büsser, Martin Büsser

Vor mehr als dreißig Jahren hat Vashti Bunyan ein Album für Decca aufgenommen und wurde als „female Bob Dylan“ gefeiert. Mit ihrer Rückkehr hätte nach so langer Zeit niemand mehr gerechnet. Ende der 1960er landete Vashti auf einer von Donovan gegründeten Künstlerkolonie auf der Ilse of Skye und begann, das beschauliche Leben eines mit den Jahren vergessenen Stars zu genießen. Doch mit dem Vergessen ist es in der Informationsgesellschaft nicht so leicht: In den 1990ern gab Vashti Bunyan ihren Namen in einer Internet-Suchmaschine ein und war verblüfft, wie viele Einträge über sie existierten. Junge Künstler wie Piano Magic, Devendra Banhart und Animal Collective hatten sie wieder entdeckt und ließen nicht locker – 2003 nahmen Animal Collective mit Vashti Bunyan ihre „Prospect Hummer“-EP auf, die in diesem Frühjahr erschienen ist und Bunyans Namen wieder in die Runde warf.

Doch das Album unterscheidet sich deutlich von Bunyans nun vorliegender Solo-Veröffentlichung. Dominierten auf „Prospect Hummer“ noch die versponnenen Animal-Collective-Sounds und deren elegisch angeschlagene Gitarren, so ist „Lookaftering“ eine Songwriterplatte ganz im Geist der Mittsechziger geworden, die klingt, als wäre die Zeit in den letzten 35 Jahren stehen geblieben. Mit Akustikgitarre, Streichquartett, Oboe, Harfe und Moog eingespielt, frönt „Lookaftering“ einem gediegenen Arrangement, das zwar abgegriffene Standards zitiert, dabei aber eine Eleganz aufzuweisen versteht, die selbst nach Nikolausschlitten klingende Schellen nicht kitschig werden lässt. Im Gegensatz zu den steinalten Hollywood-, Schlager- und Broadway-Melodien, die hier wiederkehren, ist auf „Lookaftering“ nichts penetrant eingesetzt worden, alles bleibt im Dämmerzustand, dem angenehm ruhigen Gesang angepasst, der wie Joni Mitchell auf Valium rüberkommt. Gedämpft durch tausend Kissen, entwickelt diese Musik eine winterliche Schläfrigkeit und mit ihr eine Stimmung, die völlig offen lässt, ob das nun von Zufriedenheit oder tiefer Traurigkeit zeugt. Nicht nur mit Vashti Bunyan, sondern auch mit einer so schönen Platte konnte wirklich nicht mehr gerechnet werden.



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