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Andi Teichmann

»Fades«

[Festplatten / Kompakt / VÖ: 11.11.2005 ]

Text: arno raffeiner, arno raffeiner

Andi Teichmann war bisher vor allem als soziales Musikwesen bekannt. Er haut als eine Hälfte der Gebrüder Teichmann auf die Pauke und klopft auch bei Beige GT den Rhythmus. Aber wie auf \"Fades\" zu hören ist, sperrt er sich auch wochenlang im Zimmer ein, um ganz bei sich selbst alleine Musik zu machen. Sein Solo-Debütalbum besticht zunächst vor allem durch eine bewusste Reduktion der Mittel und den sicheren Griff ins atmosphärische Dazwischen von Dancefloor, Pop und Heimelektronik. Teichmanns Produktion spricht eine etwas verhaltene Sprache, unverfälschte akustische Klänge spielen eine wichtige Rolle, die Synthies bleiben oft schwachbrüstig, wie durchscheinend, was aber insgesamt nur die Dichte der Platte und den Eindruck an Intimität steigert.

Mit diesen einfachen Mitteln zeichnet \"Fades\" Melancholie in großen Bögen. Zentrale Instrumente sind, neben der Bassdrum als Basis, das Piano und die Gitarre, die immer wieder in weiten Echos ausklingen und damit einen Raum ausloten, der zum Teil schon beängstigend in die Tiefe geht. Die Leere und Einsamkeit der Beats kommt so an manchen Stellen schon fast bedrückend zum Vorschein. Doch mit seinen Melodien sorgt Andi Teichmann für Hoffnung, selbst ein desillusionierter Refrain wie \"They Don't Care Bout You\" taugt in diesem Rahmen noch zur Pophymne, spendet Trost, macht Mut. So behauptet \"Fades\" Solipsismus nicht nur als künstlerisches, sondern auch als Lebensprinzip. Dazu mal drei Fragen an jenen Andi Teichmann:

Ist es für dich leichter oder schwieriger, alleine zu arbeiten?
Ich hab zwar schon einige Solostücke veröffentlicht, aber bei dem Album hab ich noch ziemlich viel übers Alleine-Musikmachen erfahren. Für mich ist es bis zu einem bestimmten Punkt einfacher: Erst mal entsteht bei mir alles aus dem Bauch heraus, und alleine kann ich dabei wesentlich ungezwungener herangehen. Problematisch wurde es für mich erst gegen Ende. Ich verliere mich gerne in Details, und den endgültigen Schritt zu gehen, ein Stück für fertig zu erklären fällt mir sehr schwer. Als \"Fades\" dann gemastert war, habe ich zunächst alles in Frage gestellt und wollte es am liebsten niemandem vorspielen. Das war eine echt harte Schule für mich.

Dein Album ist in weiten Teilen ziemlich ruhig, fast introvertiert. Hast du dich bewusst auf das Songhafte der Stücke konzentriert?
Erst mal hab ich die Stücke nur für mich gemacht, insofern ist das Album auf jeden Fall introvertiert. Dass vieles so songhaft geworden ist, kam eher aus dem Moment heraus, hat aber bestimmt auch damit zu tun, dass einige Stücke auf Gitarre basieren. Die Idee, ein Album daraus zu machen, kam eigentlich erst später, als wir die Stücke im Zusammenhang gehört haben.

Wie persönlich kann ein Elektronik-Album werden?
Das Album war tatsächlich so eine Art Eigentherapie. Nachdem ich einige Jahre zwischen Berlin und Regensburg gependelt bin, bin ich im Frühjahr 2004 ganz nach Berlin gezogen - und wider Erwarten hab ich mich erst mal ziemlich allein gefühlt. Die Stücke sind alle letzten Winter in einer bestimmten Zeit entstanden, in der ich wirklich Probleme hatte, meine Wohnung zu verlassen. Ich habe eigentlich nur Dostojewski gelesen und Musik gemacht. Auch wenn das so genannte \"persönliche\" Album längst zur Phrase geworden ist, ist \"Fades\" für mich ziemlich persönlich.



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