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»Hefty Fine«
[Geffen / Universal / VÖ: 23.09.2005 ]
Text:
linus volkmann,
linus volkmann
Penis, Penis, Penis – eine Assoziation, die man glücklicherweise nicht zu vielen Bands hegt, zur Bloodhound Gang aber in jedem Fall. Einst bin ich auch auf den Etikettenschwindel, der mit den fünf Kaputten betrieben wird, reingefallen. Sie galten Ende der Neunziger irgendwie als New Metal, und es gab ein Cover bei unseren Kollegen vom Visions, das sie zeigt, wie sie sich an Hundehalsbändern um einen Napf mit Futter balgen. Das Bild und die musikalische Einsortierung waren an Schauerlichkeit kaum zu überbieten. Ich beschloss, nie einen Song von diesen Pennern hören zu wollen. Dann wurde ein altes Stück wieder aufgelegt, ich glaube, wegen seines Auftauchens in einem Film.
Der Song hieß „Along Comes Mary“. Okay, der Gedanke „geht ja doch“ stieg auf. Mit der kurz darauf folgenden Platte „Hooray For Boobies“ nahm das Phänomen dann aber auch ohnehin seinen Lauf – und es war keine Wahl mehr, ob man die Gang hören und sehen wollte oder nicht.
Sie trat auf – den Satz muss man sich so wie eine Regieanweisung vorstellen. Man sitzt im Publikum und kann nicht aufhören, hinzuschauen. Wenn zum Beispiel Jimmy Popp, bei Harald Schmidt eingeladen, seine Mutter anruft und sich genauso rührend bubmäßig aufführt, wie er aber auch irgendwelche zotigen Themen mit ihr plötzlich anschneidet und damit peinliche Berührung auf allen Seiten auslöst, erringt er dadurch eine ungeahnte Macht über die Situation. Denn wer regiert als Gast schon Unterhaltungsshows? Die
Bloodhound Gang. Dann auch, wenn Jimmy Popp als Evil Hasselhoff bei Stefan Raab auftaucht und plötzlich beflissen sein Glied zeigt und später noch ein Ei in seinem Sack so quetscht, dass man gut lesen kann, dass er sich „TV Total“ auf jenen geschrieben hat. Oder wenn der bärige Gitarrist es mühelos schafft, auf dem Oktoberfest aus einem dieser mit Abschaum gefüllten Zelte zu fliegen, weil er eine Maß ex-t, nur um sie gleich wieder in den Krug zu kotzen und noch mal zu trinken. Gäbe es noch Psychoanalyse unter den seriösen Tools des Popjournalismus, könnte man spielend hieraus die anale Phase stricken. Die Eckdaten Mutter, Penis, Ausscheidungen sind ja deren königliches Dreigestirn. Aber auch ohne Opas Theorie-Schatzkästlein dürfte der Charakter der Band auf der Hand liegen. Dankenswerterweise macht die absurde Überzeichnung pubertären Drängens es auch leicht, bei ihnen anzudocken. Denn die Persiflage von männlicher dummer Geilheit bekommt man in diesen Aufführungen gratis mitgeliefert. Ähnlich wie Laibach die Bilder von Nation, Mensch, Gewalt übererfüllen, affirmieren
Bloodhound Gang den hässlichen Mann. Und zwar so weit, dass zwischen ihm und seiner Tumbheit keine Verklärung mehr Platz findet. Laibach und
Bloodhound Gang – na ja, wer sieht sie nicht in ein und derselben Genealogie?
Dazu läuft dann natürlich auch nicht New Metal, sondern Synthie-Pop, der gar nicht zu dem Fake ihrer Rockbandbesetzung passt. Duran Duran findet die Gang gut, und das hört man. Auch wieder auf den neuen Songs. Die erneut eher Revue-Nummern, die sich durch verschiedene Stile arbeiten, darstellen. Abwechslungsreicher Unsinn, selbstentlarvend, tödlich unterhaltsam. Das neue Video mit dem Auto in Bananenform schon gesehen? Ein top Kommentar für Pimp-up-Serien, in denen Trottel wie Xzibit Autos zu Macker-Proll-Karren aufrüsten, damit die Typen darinnen sich mehr schwanz fühlen können. Im Video zu „Foxtrott Uniform Charlie Kilo“ wird diese ohnehin unsubtile Scheiße endlich mal mit ihrem eigenen unverstellten Wollen konfrontiert: ein Auto nicht als fahrender Penis-Ersatz, sondern ein Auto als fahrender Penis. Dazu ein Text, der übersetzt ungefähr heißt: „Die Pudding-Luke oh, là, là an die Bums-Fliegenklatsche anpassen.“ Und der Song „Ralph Wiggum“ enthält en bloc die gesammelten Ein-Satz-Zitate von jener rührenden Simpsons-Figur wie zum Beispiel „I’m a brick“, „You smell like dead bunnies“, „Go banana“, „I’m a pop sensation“. Eine in vielerlei Hinsicht extreme Band, eine extreme Platte. Aber nichts, was man missen könnte.
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