BEWERTEN
 

Franz Ferdinand

»You Could Have It So Much Better«

[Domino / Rough Trade / VÖ: 30.09.2005 ]

Text: Christian Kahrmann, Christian Kahrmann

Man darf nicht vergessen, das Debüt-Album stammt noch aus dem Jahre 2004. Das ist nicht gerade lange her. Und ein so geil angeberischer Sound wie darauf zu fi nden war... Solche Hymnen voller Todesverachtung gegen das omnipräsent Banale im Pop, soviel Esprit und Witz - da musste man sich doch jetzt ziemlich Sorgen machen, was werden wird. Denn ohne die Biographie der vier Jungs studiert oder heimlich verfasst zu haben, kann man wissen, dass in den Monaten seit Erscheinen der ersten Platte nichts mehr so war wie zuvor. Franz Ferdinand wurden nicht nur über die heimische Insel gescheucht, sondern eroberten neben Festlandeuropa tatsächlich auch Teile der sonst kaum einnehmbaren USA - und wer weiß, welche Landstriche sonst noch.

Das alles funktioniert nur über Präsenz und damit sparte die Band nirgendwo in der Welt - sie tourte, reiste und talkte tapfer. Interview über Interview, inklusive der komischen Ehre und Bürde, den Rock für eine ganze Generation gerettet zu haben, sowie eine ganze Follow-Up-Welle plötzlich auch noch mit im Gepäck zu haben. Denn 2004/2005 waren nicht mehr nur Franz Ferdinand Franz Ferdinand sondern alle coolen, halbcoolen Penner mit Lotterstyle und 80s-New-Wave-Attitüde waren es plötzlich - bzw. sollten es sein, wie bei jedem Act atemlos verlautbart wurde. Dazu kamen drei ausgekoppelte Singles aus “Franz Ferdinand”, also auch drei Videos und zwei Sommer lang die Festivals worldwide. Und und und. Und währenddessen und mit diesem Joch im Nacken noch ein zweites Album machen, das vor dem Debüt nicht in die Knie geht? Unmöglich. Man muss nicht Spinal Tap sein, um bei solchen Strapazen auf der Strecke zu bleiben. Aber dennoch hat dieses künstlerische Himmelfahrtskommando letztlich doch geklappt. Eine nicht hoch genug einzuschätzende Leistung. Dennoch muss man natürlich auch sagen, dass “You Could Have It So Much Better” nichts toppen kann, was man von den Jungs schon kennt. Aber es stinkt eben auch nicht ab. Der Sound ist nach wie vor sehr präsent und frisch und so freut man sich über ein klassisches Sequel des Mega-Vorgängers. Überall Off-Beat-Alarm, hittiges Ambiente und eine staubtrockene Hektik, die auch Devo zu Ehren gereichen würde. Das hört man gern. Ein Track wie “Turn It Down” hätte genauso gut auch auf dem Debüt sein können, die erste Single “Do You Want To” wirkt auf den ersten Blick etwas kratzbürstiger und geht nicht unmittelbar ins Ohr. Ist dann aber plötzlich drin und es stimmt wieder alles. Ach, und die Ballade “Walk Away” sticht noch heraus. Was lief denn da im Tourjet? Etwa Daryl Hall & John Oates? Na, warum auch nicht? Denn gerade die verhaltenen Neueinfl üsse geben dem Album erst das eigene Gesicht - denn nur Zwillingshuberei wäre ja auch nicht wirklich erstrebenswert gewesen. Letztlich ist “You Could Have It So Much Better” Franz Ferdinands “Rooms On Fire” (The Strokes), ihr “Tyrannosaurus Hives”, das Folge-Album nach DEM Album. Gut gelöst. Der Hype kann geerdet weiter toben. Viel Spaß.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • Nächste Tour-Termine

  •  
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]

 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]