BEWERTEN
 

Le Tigre

»This Island Remixes«

[Chicks On Speed / Hausmusik / Indigo / VÖ: 19.09.2005 ]

Text: Sonja Eismann, Sonja Eismann

&
Lesbians On Ecstasy
Giggles In The Dark - The Remixes LP
Alien 8 / Cargo

Mit Le Tigre und den Lezzies On Ex in der Indie-Disco! Lauter Queers auf dem feministischen Dancefloor - das wird eine super Veranstaltung. Nachdem sich der DFA-Remix von \"Deceptacon\" 2002 überraschend zu einem nachhaltigen Clubknüller entwickelte, der unerwartete Allianzen zwischen den Szenelagern schmiedete, sind die Erwartungen für die nächste Le-Tigre-Remix-Platte, die schön nicht beim Major rauskommt, mehr als hoch. Die drei remixten Stücke (\"After Dark\", \"Nanny Nanny Boo Boo\" und \"TKO\") in acht Versionen bleiben durch Einsatz der punkigen Vocals nah an ihrem rockigen Original-Gestus und werden in den meisten Fällen nicht dekonstruiert, sondern nur anders betont - mit Zugriff auf verschiedenste Tanz-Genres.

Die verrückten Dänen von Junior Senior werfen die funky Perkussions-Maschine an, NDB drapieren Disco-Flair, immer noch en vogue, um \"After Dark\", Arthur \"Planet Rock\" Baker versucht sich an einem grimigen Breakbeat-Bass, Richard Morel liefert Dub light, und die A-Touch-Of-Class-Jungs steppen einmal quer durch den Clubkosmos. Obwohl das in jedem einzelnen Fall sehr schön funktioniert, krankt die neue Sammlung an denselben Wehwehs wie die erste: Trotz aktueller Bezüge fühlt sich nichts davon an wie Dinge, die jetzt in Clubs brennen. Und wer, zum Teufel, hat eigentlich die Auswahl der Remixer getroffen? No offence, aber da fielen uns allen in fünf Sekunden 20 interessantere AnwärterInnen ein. Und wieso sind, außer Peaches, die als Einzige einen maximal skelettierten, eigenständigen, tollen Track statt einer Songversion geschaffen hat, keine Frauen vertreten? Das nächste Mal bitte mit Remixen von Ada, Chloé, M.I.A. und K. Hand, wenn ich mir was wünschen darf.

Lesbians On Ecstasy remixen - das ist ja wie Kappen nach Compton tragen. Soll heißen: Bereits die Originale der fulminanten Montréaler Lesben, die Dyke-Klassiker mit viel Ironie zu Clubtauglichkeit verwursten (Melissa Etheridge goes \"Tell Me Does She Love The Bass\"), bieten mit ihren Technogewittern ein Maximum an Beatverliebtheit. Da nehmen die neun Remixe, u. a. von Le Tigre und Tracy And The Plastics, stellenweise fast ein wenig den Wind aus den Segeln. Was völlig in Ordnung geht, denn der abgründig cheesy Grundtenor der Tracks bleibt, ob Drum'n'Bass-Garnitur oder orgelige Electro-Trash-Umspielung, überall gut hörbar.



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