BEWERTEN
 

Ninja High School

»Young Adults Against Suicide«

[Tomlab / Indigo / VÖ: 14.10.2005 ]

Text: Vanessa Romotzky, Vanessa Romotzky

Positiven Aufruhr zelebrieren, (musikalische) Grenzen überschreiten. So trägt es das der blühenden Toronter Kunstszene entsprungene Kollektiv Ninja High School auf seinem ersten Full-Length-Release in die Straßen. Ihre Musik basiert ausschließlich auf Samples: statischen, knallenden Beats, aufschlagenden Bässen, soulful Getröte und Riot-Raps. Die Abwesenheit von Instrumenten ermöglicht der Band eine besondere gewollte Freiheit bei Live-Auftritten, ein zügelloses Herumrennen und Verwischen der Kluft zwischen Band und Publikum. In ihrem Tun steckt großer Indepedent- und DIY-Spirit, der Kollektiv-Gedanke, ein lautes „anyone can do anything“.

In Kanada wird ihr Album auf Blocks erscheinen, einer eigens deklarierten Heimat für Weirdos. Der Blocks Recording Club ist ein Zusammenschluss von Musikern, die alles daran setzen, um unbekannten Künstlern Aufmerksamkeit und Möglichkeiten zu verschaffen, die sie sonst wahrscheinlich nicht bekämen. Und natürlich, wenn möglich, Platten herauszubringen, von denen sie begeistert sind. Initiator dessen ist NHS-Mitglied Steve Kado (Ex-Hidden-Cameras). Gegründet wurde die Band aber von Musiker und Cartoonist Matt Collins, der einst einen Song von Crazy Town im Radio hörte und sich dachte, das könne und müsse man doch besser machen. Art-School-Drop-out Collins bezieht die Inspiration für seine HipHop-untypischen Lyrics hauptsächlich aus den Dingen, die er liest. Diese Ideen und manchmal komplizierten Gedanken bricht er herunter auf sloganhafte Shoutalongs. Darin spiegelt sich das Prinzip von möglichst viel Zugang für alle. Auch spielen NHS z. B. nicht gerne in Bars, zu denen Minderjährige keinen Zutritt haben und man ein bestimmtes Verzehrkonsum-Soll erfüllen muss. Überhaupt sollte man sie draußen erleben, denn für den pushenden Aufforderungscharakter und die Nonstop-Energie ihrer Musik können die Räume zu Hause schnell mal zu klein werden. (Ein Nebenschauplatz: Auch der Band selbst ist schon zu Ohren gekommen, dass man im NHS-Zusammenhang noch auf etwas anderes Hübsches stoßen kann. Nämlich auf die gleichnamige, älteste, kontinuierlich seit 1986 erscheinende Mangaserie Amerikas von Ben Dunn. In dieser findet sich der Normalo-Highschüler Jeremy Feeple plötzlich in einer Dreiecksgeschichte zwischen den Avancen zweier außergewöhnlicher Frauen: Asrial [einer Alienprinzessin aus einer fernen Galaxie] und Itchy-Koo [der Erbin eines Ninja-Clans].)



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