BEWERTEN
 

Guido Möbius

»Dishoek«

[Dekorder / Broken Silence / VÖ: 17.10.2005 ]

Text: Martin Büsser, Martin Büsser

Guido Möbius ist ein musikalischer Wunderheiler. Seine absolut zeitgemäße Pop-Variante der Minimal Music zaubert ein Lächeln ins Gesicht, macht die Brust frei und Lust, alle Fenster weit zu öffnen. Es gibt keinen Missklang, nichts Dunkles in dieser Musik, nur die Vision von einem lang anhaltenden Sommer, an dessen Ende noch keiner denken mag. Stolz anschwellende Trompeten umschwärmen immer mal wieder die heiter gezupfte Gitarre, und manchmal schaut Moondog mit seinem Wikingerhelm lächelnd um die Ecke. Mit allerlei Gästen von F.S.Blumm bis The Kat Cosm eingespielt, die allerlei Instrumente von der Violine bis zur Klarinette mitgebracht haben, sind rhythmisch komplexe, aber oft ohne Schlagwerk auskommende Instrumentals entstanden, die das, was irgendwann mal Avantgarde hieß und sich eher in der Klassikabteilung finden ließ, in Pop transformieren.

Und Pop meint hier: grenzenlose Leichtigkeit. Wie zufällig herbeigewehte Klänge unbeschwerter Gebrauchsmusik. Und dann plötzlich Anklänge an Free Jazz, Anthony Braxton, Violinenklänge, die auf die Zahnplomben gehen. Aber selbst das ist in diesem Kontext noch schön, ganz unbedarft aus dem Ärmel geschüttelt. Eine großer Mann auf einem kleinen Label. Beide verdienen unsere Aufmerksamkeit.



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aus Intro #133 (November 2005)
 
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