BEWERTEN
 

Jirku – Judge

»Private Eyes«

[Onitor / Hausmusik]

Text: Hendrik Kröz, Hendrik Kröz

Die Musik von Tomas Jirku hat viele Gesichter. „Bleak 1999“ und „Entropy“, die beiden letzten Jirku-Alben, überraschten mit düsteren, zwischen die Bits geklemmten atmosphärischen Brocken, auf „Plusism“ kehrte Tomas Jirku zusammen mit Robin Judge wieder zu dem Ansatz zurück, den er zu seligen Force-Inc.-Zeiten verfolgt hatte. Damals zählte Jirku zu den herausragenden Protagonisten der Click’n’Cut-Bewegung, inzwischen ist der Tunnelblick auf die Atome längst nicht mehr alles, was man braucht. „Private Eyes“, das neue Jirku-Judge-Album, inszeniert zwar auch das Schleifen weich eingefadeter Mini-Chords über scharfe Kanten, verbindet es aber mit rhythmischen Strukturen, die teilweise schon als rockig durchgehen können.

Oder sich, wie in „Internal Affairs“, dem Schlusstrack, auf eine tappende Bassdrum beschränken, um elegisch verhallten Akkorden genügend Raum zu geben. Je unaufdringlicher Jirku und Judge agieren, desto eher kann Glanz entstehen, das zeigt dieses Album einmal mehr. Aber es gelingt ihnen auch, Bonbons in den minimalen Mix zu schmuggeln und wippende Leichtigkeit zu verbreiten, z. B. mit einer etwas zu hoch angesetzten bpm-Zahl („False Positive“) oder einer auf Casio-Klang basierenden Popnummer wie „Double Trouble“. Trotz Filigranarbeit in Sachen Klangskelettierung bleibt dieses Album deswegen immer funky und nach vorne gerichtet.



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aus Intro #133 (November 2005)
 
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