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»Goodbye Friend, Welcome Lover«
[Noise Factory / Cargo / VÖ: 04.10.2005 ]
Text:
Barbara Schulz,
Barbara Schulz
Die Reaktionen in ihrer Homebase Montreal waren gespalten. Die einen stöhnten „Hexes & OHS – och nö, nicht schon wieder so eine Pärchen-Band!“, die anderen bejubelten sie als „Montreals süßestes Indie-Couple – noch einen Tick süßer als Win und Regine von Arcade Fire“. Dabei sind die beiden Schnuckel Heidi Donnelly und Edmund Lam (die in den 90er-Jahren bei den Whimp-Poppern Jolly Bean spielten, aus denen später die 2004 aufgelösten Avant-Tronic-Rocker A Vertical Mosaic wurden) oft weit davon entfernt, ihre lauschige Privatheit in die Musik zu lassen. Die von beiden sehr zurückhaltend gesungenen und meistens von Lam geschriebenen Texte wirken morbide und traurig und lassen Lams Credo „Ich kann nur kreativ sein, wenn’s mir shitty geht“ passende Worte folgen.
Die drum rum gehüllte Musik ist wohltuend fröhlich und verspielt. Um moderne Frickel-Beats basteln die beiden Keyboard-Soundwände, Blubber-Sounds, bedienen sich auch gern mal in der 80er-Schublade und fügen sparsame Bass- und Gitarrenfiguren hinzu. Genauso funktioniert „Alive Until Saturday Night“, ein Feger, der in deiner Lieblings-(natürlich)Indie-Disco betanzt werden will (mein Freund sagt, der Song klinge wie Notwist, na ja, aber das ist ja nun wirklich keine schlechte Referenz). Daneben haben Hexes & OHS eine Vorliebe für bittersüße Liedchen wie z. B. „Scabby Knees“, das einen stark an Anne Clark oder ganz frühe Tears For Fears denken lässt. Weiterer Anspieltipp ist „Whadaya Know?“, ein Ohrwurm mit treibendem Schlagzeug, New-Order-Basslinie, Schrammelgitarre und den von Edmund Lam gesungenen Worten „I can’t do anyhing, whadaya know, it doesn’t take much to break / I misread everything, whadaya know, speak before you think / Every time I die, I want the world to collide / Every time I awake is for my own, is for my own sake“. Kurz danach antwortet Heidi Donnelly leise so was wie „Lalalala“, und die Welt, nicht nur die von Hexes & OHS, ist wieder in Ordnung. Eine schöne Platte, die spielerisch den Bogen spannt zwischen altmodisch weichem Gitarrenpop und zeitgenössischen Klangfrickeleien. Und die uns gut durch die kalte Jahreszeit bringt.
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