BEWERTEN
 

Hauschka

»The Prepared Piano«

[Karaoke Kalk / Indigo / VÖ: 01.10.2005 ]

Text: Barbara Schulz, Barbara Schulz

Präpariertes Klavier? Da fällt einem sofort der große Klangtüftler John Cage ein, der auf der Suche nach neuen Klängen allerlei Schrauben, Radiergummis und Muttern zwischen die Klaviersaiten klemmte. Volker Bertelmann a.k.a. Hauschka hat keine Schrauben, dafür aber Stimmkeile aus Leder, Filz und Gummi zwischen die Saiten gebastelt, Kronkorken draufgelegt, Gitarrensaiten eingeflochten oder die Hämmerchen mit Alu- oder Plastikfolie verkleidet. Wie schon für sein Debüt „Substantial“ zog er sich in die Berge von Wales zurück, um im Studio seines Freundes Adam Fuest an „The Prepared Piano“ zu arbeiten. Sicherlich hat die ruhige Umgebung ihren Teil dazu beigetragen, dass alles meist ruhig vor sich hin fließt.

Die repetitiven Melodien, die sich hauptsächlich in der Minimal Music verorten lassen und die oftmals mit klackernden Beats oder Zirpen verziert wurden, könnten für immer so weiterlaufen und würden niemanden stören. Der Opener „La Seine“ ist dabei fast noch das unzugänglichste Werk mit seiner sich schnell abnutzenden Melodie. Andere Klangmalereien wie die zärtlichen „Where Were You“, „Firn“ oder das jazzige „Kein Wort“ bezaubern da mehr. Zwischendurch wird auch mal ordentlich gehämmert („Traffic“), und manchmal muss man an Luke Vibert denken, der sein Klavier so herrlich schief aus dem Ruder laufen lassen konnte. Aus dem Ruder läuft hier nicht viel, keine Bange, es ist alles gut flauschig, allerdings klingt hier auch nichts so rund und voll, wie es das beispielsweise bei dem Wahl-Franzosen Gonzales tut, dessen letztes Werk „Solo Piano“ ganz anders glänzt als das hier, aber Gonzales lässt sein Klavier ja auch Klavier sein, ohne Bastelei, und jazzt fröhlich los. Na gut, ist eine andere Baustelle, kann man wohl nicht vergleichen. Und doch: Zwischendurch wünscht man sich, Herrn Hauschka auf einem unpräparierten Klavier zu hören, ohne zusätzliches Gezwurbel und ohne Klebe. Wäre traditioneller, sicherlich, aber vielleicht auch das Quäntchen aufregender und lebendiger.



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