BEWERTEN
 

Giorbino

»Schön«

[Onomato Pop / Cargo / VÖ: 22.08.2005 ]

Text: Martin Büsser, Martin Büsser

Es gab einmal eine kompromisslose Musik in Deutschland, von Malern begleitet, die man damals auch für kompromisslos hielt und „neue Wilde“ nannte. Heute ist die Wildheit verblasst, Bilder dieses Stils zieren die Wände von Eiscafés in hessischen Vorstädten. Doch Ex-Geisterfahrer Giorbino vertraut noch ganz auf den Spirit of 82, jenes Jahr, in dem die Musik nicht zuletzt deshalb laut und sperrig war, weil Kohl neuer Kanzler wurde (obwohl man seinen Vorgänger auch nicht gemocht hatte), und schmückt seine neue CD mit ziemlich altwild aussehenden Gemälden eines gewissen Karlo Kannibalo. Ein typischer Frühachtziger-Name. Und typisch Frühachtziger auch die knapp gehaltenen Texte: Fünf Zeilen pro Song müssen reichen.

Manchmal genügen auch weniger. „Ein neuer Tag / Ein neues Glück? / Ein neues Glimmen.“ Zack, das war’s. Zur Beatbox hingepeitscht und im Ergebnis vom Sound her dann doch gar nicht mal so altbacken. Ist das jetzt der heißeste Scheiß oder doch nur die Wiederkehr einer längst verblassten Radikalität? Nein, Giorbino ist schon okay, denn seine Musik vermittelt etwas von Unruhe, von Lebensgier und Überdruss zugleich (präzise Zeilen: „Ich hab alles getan, was ich nur kann / Es ist nie genug / Ich bin so müde“), zwei Zustände, die wir in ihrer Gleichzeitigkeit heute wieder sehr gut gebrauchen können. Schließlich kommt die CDU ja auch immer wieder.



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