BEWERTEN
 

Echo And The Bunnymen

»Siberia«

[Cooking Vinyl / Indigo / VÖ: 19.09.2005 ]

Text: Wolfgang A. Müller, Wolfgang A. Müller

Es war ja nicht alles schlecht in den Achtzigern. In einer Seitenstraße dessen, was sich momentan der grellen modischen Zweitverwurstung erfreut, lief der Prototyp hymnischen Indie-Pops jahrelang stoisch die Wände rauf und runter. Ian McCulloch kann es sich leisten, großmäulig rüberzukommen: Echo And The Bunnymen, die sich letztmalig vor vier Jahren ins Spiel brachten, präsentieren sich auf „Siberia“ als eine Band, die einen Sound wesentlich definiert hat. Das reklamiert Geschichte für sich, zitiert Wirkungsphasen und knüpft sie ins Heute fort. Und klingt daher in allem zumindest oberflächlich ein bisschen wie früher. Wenn nicht gleich: wie für die Ewigkeit modelliert.

Angenehme Vertrautheit, du lieber Freund, der du doch neu zu uns sprichst: Widerspruchsloses Einrasten in phänomenale Hooklines wie bei „Parthenon Drive“ oder „Make Us Blind“. Vor Anker gehen in McCullochs Schmirgelpapierstimme. Ein Gleiten über die langen Gitarrenfäden, die der genialische Will Sergeant auswirft und die sich im Titelstück orientalisch verschrauben. „Siberia“ – vielleicht ist es ein Hinweis darauf, dass die Band in den kühlen Achtzigern schockgefrostet wurde. Alle paar Jahre heißes Wasser draufgießen, fertig: Da stehen sie wieder im vollen Saft. Gut, zwischendurch gibt es Anflüge von Unerheblichkeit, aber irgendwie unheimlich ist es schon.



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