BEWERTEN
 

The All American Rejects

»Move Along«

[Doghouse / Interscope / Universal / VÖ: 11.10.2005 ]

Text: Marc Isenbügel, Marc Isenbügel

Vor meiner Fensterscheibe regnet es Bindfäden, und die Stellenbörse im Internet bietet nur schlecht bezahlte Shit-Worker-Jobs für ganz besonders Engagierte an. So weit, so ernüchternd die Bilanz des Tages, doch zum Glück will das neue Album \"Move Along\" der All American Rejects erhört werden. Der selbst betitelte Vorgänger ist mir zumindest positiv aufmunternd in Erinnerung geblieben. Zuerst fällt mal auf, dass neben dem altehrwürdigen Label Doghouse Records auch Interscope mit im Boot sind und dass ein Angst einflößendes Anti-Piracy-FBI-Logo auf der Rückseite des Covers prangt, während mich vorne vier schnuckelige Highschool-Boys um Posterboy Tyson Ritter süffisant anlächeln.

Die Geek-Babes der Welt sind euch schon mal sicher, Freunde! Der Opener \"Dirty Little Secret\" reißt dann nachdrücklich aus jeglicher Lethargie - ein Schelm, wer hier an Jimmy Eat World, Starting Line, Junior Varsity u. ä. denkt. \"Stab My Back\" ist textlich so ein furchtbar existenzielles Teeniedrama im \"O.C. California\"-Style und kurvt gerade noch mal am Good-Charlotte-Kitsch vorbei, während der Titeltrack \"Move Along\" auch auf dem letzten Ataris-Album hätte erscheinen können. Dann die Piano-Ballade. Okay, okay. Startete man mit \"Dirty Little Secret\" noch mitreißend, flacht das Album mit zunehmender Laufzeit und ansteigendem Kitschbarometer zusehends ab. Also ehrlich, die Ataris dieser Welt haben doch schon vorgemacht, was mit den charming Boys des Pop-Punk passiert, oder etwa nicht? Ihr macht einen Nummer-eins-Hit (möglichst mit der Piano-Ballade), euer Produzent wird feist, kauft sich einen neuen Sportwagen, ihr dürft bei \"O.C. California\" in einem scheißteuren Club vor einem Haufen schwerreicher, verzogener Pickelfressen spielen, und dann erinnert sich keine Sau mehr an euren Bandnamen. Außer, na, außer die Geek Babes und Boys mit den dicken Hornbrillen, die euch natürlich eh und je mehr wegen eurer Musik geliebt haben als für euer schnuckelig-schmuddeliges Outfit. Zur Versöhnung sei aber gesagt, dass \"Move Along\" gegen Ende mit Songs wie \"11:11 pm\" oder \"Top Of The World\" noch mal etwas die Geschwindigkeit anzieht und man weitestgehend von weiteren Kitsch-Attacks verschont bleibt. Da fällt mir ein: Was machen jetzt eigentlich die Goo Goo Dolls?

Als kleine Randnotiz sollte zu erwähnen erlaubt sein, dass das früher vielleicht beste Emo-Label Doghouse in grauer Vorzeit geniale Meilensteine der nicht mehr ganz so jungen Emo-Pop-Geschichte releast hat: die erste Get Up Kids (\"Four Minute Mile\"), das wahrscheinlich beste Hot-Water-Music-Album ever (\"Forever And Counting\"), Endpoints \"If The Spirts Are Willing\" und die - zumindest für einen kleinen Kreis freakiger Plattensammler - legendären Split-Lip-Alben. Somit also bitte ein bisschen Ehrerbietung gegenüber dieser heuer etwas verblichenen Eminenz des Emo-Pop. Wann gibt es eigentlich wieder more Rock, less glattgebügelt, Dirk Hemsath?



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