BEWERTEN
 

Silver Jews

»Tanglewood Numbers«

[Drag City / Rough Trade / VÖ: 14.10.2005 ]

Text: Hendrik Kröz, Hendrik Kröz

Der Rubrik \"Verzweifelt gesucht ...\" im letzten Moment von der Schippe gesprungen: An diesem Twist erkennt man wahre Helden wie die Silver Jews. Gerüchte verdichteten sich zu Gewissheit, und nun ist sie da, die neue Platte des legendären Eastside-Indie-Orchesters. Nach ziemlich langer Durststrecke ..., schon mit der ersten hereinpurzelnden Nummer, \"Punks In The Beerlight\", liegt sie viele Meilen hinter uns. David Berman, Chef dieser gemächlichen Baustelle, schwingt sich im entscheidenden Moment wieder mal zur Bestform auf: Stimme sonor, aber wendig, genau wie sein Songwriting, das immer noch Leuchtturm in der Nebelsuppe ist.

Jeder Text kriegt die passende Hütte und aus reinem Übermut noch einen kleinen Giebel obendrauf. \"Sometimes a pony, a pony needs a rest\" geht als Entschuldigung fürs Abgetauchtsein durch, wie haben wir diese charmante Tiefstapelei doch vermisst im aufgeblasenen Rock-Zirkus. Aber dort erklingt jetzt ein Tusch, denn David Berman und seine illustre Mannschaft - u. a. die Pavement-Crew S. Malkmus, S. West, B. Nastanovich und ein gewisser W. Oldham als Neuzugang - laufen bei ihren \"Tanglewood Numbers\" zu großer Spielfreude auf. Zwar steht auch diesmal die Beschreibung bitterer Realität auf dem Programm, aber auch viel gereifter Optimismus, der wie ein Keil dazwischenfährt: \"Life is sweeter than jewish wine / Even a box of candy or a foot massage, some people just don't take the time.\" Wenige kriegen diesen im Grunde banalen Mix so überzeugend hin wie David Berman aus New Jersey, mittlerweile nach Nashville übergesiedelt, wie es sich für einen 38-jährigen Vollbart-Träger auch gehört. Ob es der bühnenscheue Songwriter mit \"Tanglewood Numbers\" geschafft hat, frühere Großtaten der Silver Jews zu übertreffen? Die Platte ist schon hinreißend. Um ein Haar wäre sie ja gar nicht erschienen: Erbitterter Streit mit dem Toningenieur und ein Brand im Studio hätten ihr Erscheinen fast verhindert. Vielleicht hatte ja der Geist von Johnny Cash einen schützenden Eimer Wasser parat? Erhobenen Hauptes durch den Unrat schreiten, mit jubelnden Gitarren das Elend besiegen, grimmige Wut und ihr Verpuffen angesichts dessen, was man doch hat im Leben: Das \"No Band Break-up\"-Versprechen, das auf die Hülle der ersten Silver-Jews-Platte gestempelt wurde, ist einmal mehr Gold wert.



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