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Xiu Xiu

»La Foret«

[Skycap / Rough Trade / VÖ: 18.07.2005 ]

Text: Lutz Happel, Lutz Happel

Xiu Xiu. Der Bandname klingt wie ein chinesischer Kindercomic, der in seiner unschuldigen Niedlichkeit kein Wässerchen zu trüben vermag. Kennt man allerdings Joan Chens Film \"Xiu Xiu: The Sent Down Girl\", der bei der Bandnamensgebung Pate gestanden haben dürfte, beginnt diese harmlose Assoziation zu bröckeln, und man kommt einfach nicht mehr umhin, die Musik Xiu Xius mit der hoffnungslos-düsteren Stimmung des Films zu verbinden. Falsch liegt man damit nicht, denn was Multiinstrumentalist Jamie Stewart und seine Teilzeit-Bandmates auf \"La Foret\", dem nunmehr vierten Xiu-Xiu-Longplayer, erzeugen, ist alles andere als leicht konsumierbarer Wohlfühlsound.

Dem Debütalbum \"Knife Play\" lag ein Aufkleber bei, auf dem Folgendes zu lesen war: \"When my mom died, I listened to Henry Cowell, Joy Division, Detroit Techno, The Smiths, Takemitsu, Sabbath, Gamelan, 'Black Angels' and Cecil Taylor\"; ein Statement, das nicht nur die immer noch geltenden musikalischen Bezüge Jamie Stewarts offen legt, sondern auch durch gezielte Publik-Mache einer sehr persönlichen Erfahrung einen Vorgeschmack auf die abgrundtief-hysterische Emotionalität des Xiu-Xiu-Universums bietet. Hier scheint jemand ernsthaft den Versuch zu unternehmen, Entrücktheit, Furcht einflößende Schönheit und vor allem Schmerz eins zu eins in Sound umzusetzen. Es geht um Enthüllung, Intensität, Nähe. Das hört man sofort. Man hört es aus der gebrochenen Struktur der Songs heraus, man hört es aus den verzerrten Synthesizern heraus, die immer wieder harsch hervorpreschen, um eine zarte Melodie zu zermalmen. Man hört es aus den ruhigeren Stücken wie z. B. \"Ale\" heraus, dessen verhaltener Optimismus letztendlich doch zur Tragik wird. Aber vor allem hört man es aus Stewarts Gesang heraus, der mal flüsternd, mal kreischend in poetisch aufgedonnerter Bildsprache die Abgründe menschlicher Empfindsamkeit neu auslotet. Von klirrenden Glasherzen, gelben Himbeeren und Klee aus Blei ist da die Rede, was die Texte zu surrealen Vieldeutigkeiten verdichtet. Im Vergleich zur Xiu-Xiu'schen Blümeranz erscheinen Will Oldham und Conor Oberst wie Herr Stimmungskanone und Herr Spaßkasper. Eine derartig tragische Intensität war in letzter Zeit nur schwer auf Tonträger zu finden. So ist es nicht verwunderlich, dass Xiu Xiu entweder abgöttisch geliebt oder abgrundtief gehasst werden. \"Ganz nett\" scheint als Attribut für diese Band absolut ungeeignet. Wie auch immer die Debatten um diese Platte ausfallen mögen, sie werden genauso emotional sein wie die Musik.



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