BEWERTEN
 

Nuclear Assault

»Third World Genocide«

[Steamhammer / SPV / VÖ: 29.08.2005 ]

Text: Till Stoppenhagen, Till Stoppenhagen

&
Children Of Bodom
Are You Dead Yet?
Spinefarm / Universal

&
Manowar
Hell On Earth IV
2DVD+CD / Steamhammer / SPV

So inbrünstig, wie dieses Genre seit jeher Tod, Verderben und Endzeitstimmung gepredigt hat, hätte ihm folgerichtig ein frühes (und ziemlich grausames) Ende beschieden sein müssen. Doch Fehlanzeige: Seit gut zwei Jahrzehnten weigert sich der klassische Heavy Metal der 80er in seinen diversen Spielarten standhaft abzutreten und zeigt sich quicklebendig wie eh und je. \"Heavy Metal never dies\", hatte Anthrax' Scott Ian schon Anfang der Neunziger prophezeit - als habe er geahnt, dass auch sein freakiger Ex-Bandkollege Danny Lilker nach diversen, zum Teil genialen Grindcore- und Industrial-Eskapaden (Brutal Truth, Exit 13, Malformed Earthborn ...) früher oder später wieder auf heimatlichen Boden zurückkehren würde, sei es bei der kurzen Reunion von S.O.D.

oder nun bei der Wiederbelebung von Nuclear Assault. Das (teilweise) im Original-Line-up eingespielte neue Album \"Third World Genocide\" bietet dementsprechend guten, gefälligen Thrash Metal der alten Schule ohne seltsame Experimente wie \"Funky Noise\" von 1989 und ohne sonstige Überraschungen. Also genau das Gleiche wie auf allen anderen Alben seit dem 1986er-Debüt \"Game Over\". Dessen extreme Aggressivität und Unkontrolliertheit (besonders beim Gesang) bleibt erwartungsgemäß auch hier unerreicht, teilweise klingt in den dick produzierten Midtempo-Riffs sogar eine leichte Behäbigkeit durch. Von den oft als sozialkritisch bezeichneten Texten war mangels Textbeilage leider nichts zu verstehen, analog zur musikalischen Entwicklung kann man die Lyrics aber im bekannten Spannungsfeld zwischen Stammtischpatriotismus (vgl. \"My America\" von \"Game Over\") und Öko-Aktivismus vermuten.

Etwas frischer klingt dagegen das neue Album von Children Of Bodom, auch wenn sich das erst einmal nach einem Widerspruch anhört, denn auch sie haben sich, obwohl Mitte der Neunziger gegründet, besagtem Achtziger-Geknüppel verschrieben. Die Riffs der Finnen sind allerdings um einiges präziser und brutaler als die der alten Herren aus New York. Dazu kommen eingängiges Songwriting, konsumentenfreundlicher Keyboard-Bombast und ab und zu ein paar schaurig-schöne Maiden-Soli für die technikbegeisterten Hörer - Sachen, für die sich ein Lärm-Purist wie Lilker wahrscheinlich zu schade wäre. Aber dafür punktet \"Are You Dead Yet?\" mit einem höheren Unterhaltungsfaktor - ein kurzweiliges Metal-Album zwischen True und Thrash.

Was Manowar auf ihrer neuen Live-DVD, der vierten aus der beliebten wie nicht enden wollenden \"Hell On Earth\"-Reihe, zu bieten haben, lässt sich anhand des knapp dreiminütigen Promo-Trailers nur erahnen. Das Set aus zwei DVDs und einer Audio-CD entstand 2002 auf der \"Warriors Of The World\"-Tour und enthält elf komplette Live-Songs plus einen Song vom neuen Album. Außerdem: Auftritte bei Raab, Pocher sowie jede Menge Jux mit den Fans on stage. \"Hau weg die Scheiße\", radebricht Sänger Eric Adams, während sich ein Lederhosenträger ein Fass Bier über den Kopf kippt. Wenig später reißen sich weibliche Fans ihre T-Shirts vom Leib und vollziehen mit den Bandmitgliedern pantomimisch den Geschlechtsakt. Statt der Hölle bringen Manowar ein Fest der Liebe, des Lebens und der Sinnenfreude auf die Erde. Nettes Anliegen - aber ist das wirklich noch true?



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