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Jullander

»Phobos In Funkytown«

[Sunday Service / Indigo / VÖ: 12.09.2005 ]

Text: Jochen Bonz, Jochen Bonz

Wow. Das hätte ich nicht gedacht. Die schönste Musik zur Zeit kommt jetzt also von Jullander. Eine karge Schönheit befindet sich in Bewegung. Der ruhige Groove und die kluge Indiemelodiosität. Ein wenig Gesang und Geschichten. Variationen des Satzes \"You gotta give it up\" bilden eine Spur, die als Tragödie Teil #1 bis #4 das Album durchzieht. Die Tragödie ist auch der musikalische Kern. In seiner Umgebung befinden sich witzige andere Dinge. Die sind nicht witzig im Sinne von lustig, sie sind witzig im Sinne von \"ah!\" und \"sehr hübsch\" oder \"das kenne ich doch\". Man bekommt zum Beispiel einen kurzen Konzertmitschnitt der Band Gaston zu hören, der mit begeistertem Jungskreischen endet.

Titel: \"Jullander Screaming\". Oder: Mindestens drei weitere Stücke greifen Elemente älterer Jullander-Songs auf und überführen sie in die dem musikalischen Kern des Albums entsprechende Atmosphäre des ruhigen Grooves und der klugen Indiemelodiosität. So tritt auch Reinhard Libuda noch mal auf, ein auf dem Platz begnadeter und im Lebensalltag gescheiterter Dribbler, dessen Geschichte bereits auf dem vorigen Album der Band aufschien. Traurig. Schön. Und vielleicht auch ein bisschen prätentiös? Sagen wir so: Du glaubst nicht, wie wenig. Ich habe Jullander immer für schlimme Indiespießer gehalten, aber das strenge Indiekünstlertum ist jetzt entweder geil geworden, oder ich muss mich entschuldigen.

Auf dem Cover steht neben dem nun wirklich nicht so tollen Albumtitel die coolere und auch treffendere Ergänzung \"Surfing The Impossible Stone\". Außerdem sind da noch Längen- und Breitengrade angegeben. Das ist wieder ein karger Witz. Aber das Album hat auch etwas von Blüten und Blumen. In eine Windrose übersetzt: Im Westen, ganz wichtig, Tommy Guerrero (und Siebzigersoul); im Norden \"Koop\", das Debütalbum (damals auf Logic); im Osten (wg. Linkssein, entschuldigt) die erste Blumfeld; und im Süden die späten F.S.K. Nur Letzteres will ich noch begründen: mit dem in moderne Körperbewegungen versetzten klassischen Bandinstrumentarium. Dass Kante - vorletzter Verweis - so etwas wie den Hintergrund dieser Landschaft bilden, dass dies die neue Hamburger Schule ist, ist eh klar.



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