Tanzen
»mit Thomas Venker & Markus Tomsche«
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Thomas Venker & Markus Tomsche,
Thomas Venker & Markus Tomsche
Baxendale \"I Built This City\" (Kompakt) - Londons meist unterschätztes Dance-Pop-Outfit, irgendwo im hedonistischen Clubland zwischen Pet Shop Boys und Pulp angesiedelt, mit seinem neuesten Smasher. Wahnsinnig, aber auf diese charmante Art, wo man nur noch dabei sein will. Dank Remixen von Michael Mayer und Justus Köhncke auch bald im sophisticateden Techno-Club eurer Wahl.
Pantha Du Prince \"Butterfly Girl Versions\" (Dial / Kompakt) - Auskopplung aus dem tollen Album von Hendrik Weber: \"Diamond Daze\". Sten schreibt das Stück dunkel, streng und doch mit der ihm immer eigenen Liebe neu. Der Pantha selbst hat den Beat verloren - und wie so oft, wenn das passiert, ist es weniger Verlust als vielmehr Offenbarung.
Dominique \"Speak To Me\" (Dial / Kompakt) - Eine Platte, die viele verwirren dürfte, allerdings ganz sicher nicht Dial-Sammler. Und da das alle sein sollten, sollte sich auch jeder mal anhören, was im Club viel öfter stattfinden müsste: nämlich das Ausbrechen aus den Konventionen. Klar, das hier ist nichts, was man zur Primetime wagen kann, aber am Anfang und Ende der Nacht würde dieser entschlackte Popentwurf von Dominique (der 2002 bereits als CD erschien und auf Dial nun erstmals als Vinyl) doch sehr gut tun, kombiniert mit anderen Stücken, die das vorwegnehmen und erinnern, was danach und davor stattfindet bzw. -fand. Dominique spricht viel auf seinem Album, bedacht und mit einer Stimme, die um die Verletzlichkeit weiß, mit der wir alle durch das Leben rennen.
Freitag \"Häppie Maxi\" (Tonsport / Word And Sound) - Der Titel geht natürlich gar nicht. Wir haben doch nicht Karneval-Saison, Alter. \"Häppie\" macht das a-Stück allerdings wirklich. Angenehm federnder TechHouse. Nichts für die Ewigkeit, aber einige Wochenenden lang wird das auf Ibiza für Strahlen sorgen. Die b dubbt etwas arg klapprig, nicht so unser Style.
Captain Comatose \"Up In Flames\" (Playhouse / Neuton) - Der wahnsinnige Captain im Glove-Mix (Thies Mynther und Tobi Neumann). Die beiden arrangieren die nicht unspannende Clubfrage \"How well can you dance with a drink in your hand?\" passend zum Original betont funkig mit Disco-Punk-Einwürfen - zuerst minimal, später maximal. Auf der b die \"Say Captain, say what\"-Hymne \"Say CC Say\". So klingt innovativer Club-Pop.
Egoexpress \"Aranada\" (Ladomat 2000 / Mute / Emi) - Der fantastische Opener des Albums, im Original so zerbrechlich, wie es nur die schönsten aller melancholischen Stücke sind, in Mixen von Isolee, dem omnipräsenten Lawrence und ihnen selbst. Egoexpress zeigen, dass sie daraus auch eine dancige Variante hätten zaubern können, knarzig, mit einem Hauch von Acid-Ekstase und konstantem Federbass. Isolee schmatzt und triggert sich durch seinen Mix, ordentlich und ganz sicher für den einen oder anderen Tanz gut, aber irgendwie die Magie der Vorlage aus dem Blick verlierend. Lawrence versucht erst gar nicht, alles unter einen Hut zu bringen, und legt die bei ihm durch Streicher nochmals schwermütigere Original-Stimmung einfach als Zwischenpart an, um den herum es bleepig abgeht. Extrem guter Remix.
Immer \"Null\" (Kompakt) - So was wie der Kompakt-Stammtisch: Michael Mayer, Wolfgang Voigt (als M:1:5), Jürgen Paape und Reinhardt Voigt teilen sich eine EP. Alle Stücke sind Klassiker des Hauses und schon lange nicht mehr erhältlich. Mayer präsentiert einen seiner eiskalten alten Minimal-Hits: \"Frost\" heißt das Stück. \"Ich kam im tiefsten Winter zur Welt\" das Zitat. W. Voigt erinnert uns binnen Sekunden daran, warum wir einen Sommer lang jeden Tag mit dem Gedanken spielten, uns diesen Projektnamen tätowieren zu lassen, so sehr ruft \"Maßstab 1:5\" das zärtlich Malmende, das Techno-Loops auch innewohnen kann, ins Bewusstsein. R. Voigt täuscht mit dem Tracktitel (\"Wake Me Up Before You Go Go\") großes Entertainment an und liefert dieses auch, nur eben so entschlackt und dezent, wie es ein paar Jahrgänge zurück die Regel war, und nicht mit dem Hedo-Unterarm im Anschlag wie heuer. Und auch Jürgen Paape, zuletzt gut für Schlager-inspirierten Spektakel-Techno, stompt klar und funkig - wobei auch hier der Titel, \"Tupperware\", das damals Kommende vorwegnahm.
Oliver Hacke \"Subject Carrier Remixes\" (Trapez / Kompakt) - John Tejada, neben Lawrence der andere Typ in Techno, der ein Elixier gegen das Schlafen gefunden zu haben scheint und mehr Tracks aus seinem Studio in L.A. schickt, als Gott je einem Produzenten zugetraut hätte, legt Hackes Original etwas schmeichelnder an, geht aber nicht so weit, ihm die Direktheit zu rauben. Standard, aber nicht mehr. Alex Under hingegen lässt den Track geradlinig rollen, eingebettet in einen düsteren Klangraum und (leider) geprägt von einem bleepigen Sound (der auf Dauer kolossal nervt). Trotzdem: funktionaler und irgendwie passender zu Hacke.
International Pony \"Our House\" (Sony BMG) - Wie lange mussten wir warten, bis, den vielen anderen Projekten der Ponys geschuldet, endlich mit dieser Maxi mal wieder ein neues Stück des Dream-Trios herauskam. Aber jede Sekunde der Entbehrung, sie sei vergeben. Denn \"Our House\" ist unser aller Haus für die nächsten Nächte. So warm kann man sonst nirgends technoid tanzen. Wenn Cosmic DJ seine Lyrics haucht, dann finden Soul und Techno zusammen, ohne dass es nach Crossover klingt. Der andere Mix (Beschriftung war leider nicht mehr drin im Budget des fusionierten Konzerns) kommt - wie so vieles dieser Tage - mit hohem Bleep-Faktor, angenehm hysterisch und mit dreamy Outro.
Tomas Jirku / Ben Nevile \"Between Homer & Hamilton\" (Arbutus / Word And Sound) - Zweite in einer Serie von Split-Maxis auf dem kanadischen Label. Teil eins war mit Mathew Jonson und The Mole. Tomas Jirku lässt es discoid krachen wie schon lange nicht mehr. Oder anders formuliert: Hier darf zu Techno auch mal geschnippt und gesteppt werden. Nevile steht ihm wenig nach, steuert aber ein housigeres Stück bei. Könnte 'ne tolle Split-Serie werden.
Gold Chains and Sue Cie \"Crowd Control Remixes\" (Kitty Yo / Indigo) - Heute darf poppig gebratzelt werden, denn die Party soll gerockt werden. CB Funk hackselt ordentlich rum und bleibt bei aller Wildheit doch immer lieb und somit voll im Trend der Zeit - es sind ja alle viel zu zahm dieser Tage unter ihrem fett aufgetragenen, ach so wilden Make-up. Phon.o macht uns derzeit mit seinem neuen Album auf Shitkatapult extrem viel Spaß - und auch hier zeigt er, was so drin ist, wenn man Techno als ein offenes Buch versteht, in das man nicht nur alles schreiben darf, sondern soll. Und auch Gold Chains and Sue Cie lassen es sich nicht nehmen, dem eigenen Werk eine neue, nicht minder exzentrische Facette hinzuzufügen.
Diverse \"Total 6\" (Kompakt) - Natürlich kompletter Irrsinn, das mal eben in der Tanzen-Kolumne abzuhandeln, aber wo sonst als hier ist Kompakt denn so gemütlich im Intro zu Hause? Insofern alles richtig gemacht, und Sie können sich wieder entspannt setzen. Und dieser Leistungsschau auf Doppel-CD lauschen. Gefeiert wird damit auch noch, und zwar während der c/o pop Ende August in Köln. Und da diese rundum lohnt, sollten Sie alle am besten gleich für mehrere Tage nach Köln rübermachen.
Blir (a.k.a. snd) \"Raster-Post No. 8\" (Raster-Noton / A-Musik) - Bereits älteres Nebenprojekt der beiden Sheffielder, das sie neulich wieder für sich entdeckt haben, zwischen ihren immer häufiger werdenden Installationen und der gemeinsamen Welttournee mit Autechre. Minimal-experimentell klingt das Album, wobei die Betonung im Unterschied zu snd auf Zweiterem liegt. Extrem kurz geschnittene Loops, die um sich selbst kreisen. Würde Kubrick heute noch mal \"2001\" drehen, er würde snd um den Soundtrack bitten.
Bonus Top Ten Tanzen - weitere wichtige Releases des Monats
(xxxxxxxxWichtig Osi: Logo dazu kommt via Oli)
Phono.o Burn down the town (Shitkatapult / Kompakt)
Vitalic No Fun (Pias)
Annie Heartbeat (WEA)
Luci Ideal Pour Dire Je T'Aime (Morris Audio / Intergroove)
Max Krefeld Abc (Echokammer / Hausmusik)
King Britt Sister Gertrude Morgan (Ropedope / Ryko / Rough Trade)
Alex Smoke Ok (Soma / Rough Trade)
Five T. Graale (Freizeitglauben / Neuton)
Senor Coconut Presents Coconut FM (Essay Recordings / Indigo)
Acid Pauli Billy The Killy (Disko B / Indigo)
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