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Marshmallow

»Marshmallow«

[Storm Music / Broken Silence / VÖ: 09.10.2007 ]

Text: Christian Steinbrink, Christian Steinbrink

&
Great Lake Swimmers
Bodies And Minds
Fargo / Rough Trade

Da geht mir das Herz auf. Dank zweier Platten, die eigentlich so gar nichts gemein haben, außer, dass beide wunderschön sind. Marshmallow haben auf den ersten Blick nur einen schlappen Kalauer zu bieten, der sich aber bei genauerem Hinhören als ziemlich programmatisch erweist: Denn ihre Platte ist voll von herrlich abgehangenen Popsongs, die einen die Grillen zirpen hören lassen. Popsongs, die dank ihrer unaufdringlichen Schönheit matt schimmern. Die auf offensichtliche Effekte verzichten, um nackt und bloß für sich zu stehen und trotzdem zu begeistern.

Mastermind Alan Gregg, vormals bei den neuseeländischen Mutton Birds, schwingt sich mit dieser Platte in Referenzkosmen hinauf, deren Fixpunkte man nie unbedacht nennen sollte: Denkt an Ashtray Boy, denkt an die Lucksmiths oder an Teenage Fanclub und freut euch auf ein Album, das, gewürzt mit einigen herzerweichenden Zeilen, Poplyrik locker in diese Ebenen emporschießt. Und wer sagt, dass er ein solches Popalbum nicht braucht, weil es schon genug davon gibt, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Eine etwas melancholischere Atmosphäre breiten dagegen die Great Lake Swimmers in ihren Songs aus, und auch ihr Weg funktioniert perfekt. Sehr stark am Folk orientiert, arrangieren sie ihre wundervollen Stücke elegant und unaufdringlich aus, sogar das Banjo, sonst oft ein nervtötendes Instrument, fügt sich hier unterwürfig in den ruhigen Fluss an Tönen ein. Wie auch schon auf dem selbstbetitelten Debüt der Kanadier erinnert hier manches an Mark Kozelek und seine Red House Painters, aber ich wüsste nicht, was an dieser Referenz abschreckend sein könnte. Letztendlich hinterlassen beide Platten bei mir baffes Erstaunen: die Unfähigkeit, Gründe für mein Wohlgefallen herauszustellen; die Frage, wie das wohl passieren kann; und von den ersten Tönen an die Sicherheit, dass hier keine Platten zur Disposition stehen, denen man sich analytisch nähern könnte oder müsste, in die man sich stattdessen sofort fallen lassen und in ihnen waten kann. Das passiert selten, und das ist ein Genuss.



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