BEWERTEN
 

Paal Flaata

»Rain«

[Glitterhouse / Indigo / VÖ: 23.05.2005 ]

Text: linus volkmann, linus volkmann

&
Midnight Choir
All Tomorrow's Tears

Paal Flaata? Sieht man dem Mann auf dem Cover ins zerlebte Gesicht, denkt man unweigerlich: \"Mann, ist der von a-ha alt geworden.\" Aber nee, der hieß ja Pal Waaktaar - aber wer ist denn dann der hier? Die erste gesungene Zeile gibt darüber unmissverständlich Aufschluss: Der Sänger von Midnight Choir. Diese tieftraurigen Norweger, denen neben Underground-Mega-Ruhm die ganz große Bekanntheit immer versagt geblieben ist. Und nun ist es quasi auch zu spät, noch hinterherzustromern, ihr Bollerköppe. Midnight Choir lösten sich zumindest auf. Hier tauchen nun ein paar Vermächtnisse auf.

Das Soloalbum \"Rain\" schaut dabei nach vorn - beruhigend zu wissen, dass so ein Typ wie Flaata nicht die Schwermut an den Nagel hängt und lustiger Privatier werden kann. \"Rain\" erinnert vom Titel her übrigens schon an die große Kunst seiner einstigen Band. Die Kunst des Zurücknehmens, die Kunst der Reduktion. Ein bekannter alter Song romantisierte einst noch vom \"Electric Rain\". Jetzt also nur noch \"Rain\". Die Geschichte davon, wie man mit der Zeit eben nicht immer mehr, sondern immer weniger hat. Tragisch, pompös, leise, verletzt. Besonders schön \"Headstones\", der siebte Song, über den kommt man kaum hinweg, er soll einen immer noch tiefer ziehen - Tränen rollen zur gereckten Faust.

Und wer überhaupt den Anschluss verpasst zum Thema Midnight Choir, der kann mit der Best-of nichts falsch machen, wenngleich in dieser Werkschau ein bisschen das zusammenhängend Triphafte eines kompletten Albums verloren geht. Zum Einstieg aber perfekt, danach ist nichts mehr so, wie es war. By the mercy of Maria.



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