BEWERTEN
 

Ernesto

»A New Blues«

[Exceptional Records / Rough Trade / VÖ: 08.08.2005 ]

Text: Burkhard Welz, Burkhard Welz

&
Cane 141
Moon Pool

Stilistische Offenheit wird sich von elektronischen Producern derzeit gerne auf die Fahne geschrieben. Nicht selten fungiert dieses Merkmal dann aber nur als fadenscheinige Ausrede, ganz unverhohlen mit auf den Elektro-Zug zu springen, der momentan an jeder Milchkanne zu halten scheint. Gut, dass es da auch noch die anderen Beispiele gibt. Das Exceptional-Label aus England zelebriert seit Jahren so ein schönes Exempel, wie man ganz ohne Trendkost auch eine ganz wunderbare Tafel zusammenstellen kann. Fat Jon, Plej, Butti 49, UFO oder Calm stehen auf der Gästeliste und verstehen sich anscheinend hervorragend in stilübergreifender Kommunikation.

Ernesto, Exceptinals neuster Gonkyburg-Export (neben Plej und Cloud) passt da ganz wunderbar ins Bild, verschönerte er doch u.a. das Plej-Album mit seinen Vocals. Dass man in Schweden ganz soulfull an der neuen elektronischen Küche arbeitet, ist kein Geheimnis (mehr) - doch Ernesto will weiter gehen, viel weiter als ihn seine Gesang-Credits all-over-the-world bislang gebracht haben. Er hat den Blues für sich entdeckt, um ein sehr persönliches quasi \"Debüt\"-Album aufzunehmen, denn sein erstes \"Album\" auf Hollow ist meines Erachtens nie außerhalb des schwedischen Einflussbereichs erschienen. Leider muss man feststellen, dass er sich mit dem Ansatz in einem merkwürdigen nebulösen Niemandsland befindet, in dem zwar Vorbilder wie Leonard Cohen oder John Lee Hooker ihre Spuren hinterlassen haben, sich aber der gemeine elektronische Produzent (außer vielleicht Boozoo Bajou oder Ludovic Navarre) niemals aufhält. So fehlen nicht nur adäquate Verweise, sondern auch ein Verständnis beim Rezipienten. Ernesto wagt sich weit hinaus. Teils geht das völlig over the edge und damit in die Hose (\"Devil`s Gotta Run\", \"Falling From Grace\"), teils sind die Ergebnisse sehr schöner Natur (\"No More\", \"Blame It On Your Melody\").

Vielleicht hätte er mit diesem Ansatz noch ein paar Jährchen warten sollen. Doch allgemein erstaunt der Fakt, wie man mit gerade mal 24 Lenzen schon so erwachsene Musik machen kann. Cane 141 haben hingegen bei Exceptional eine neue Heimat gefunden, die sie auf \"Moon Pool\" zu einer Offenheit inspiriert, in der Electronic Listening, Elektro-Pop oder Abstract-Hop nahezu gleichberechtigte Konstante darstellen. Eine verträumte und trotzdem völlig transparente Atmosphäre (die viel mit der klar konturierten Beat-Struktur zu tun hat) ist die Folge. Der Titel \"Moon Pool\" steht dafür exemplarisch als Charakteristika. Genau so klingt das hier auch. Nicht zu verwechseln mit \"Moon Safari\", denn die beiden Franzosen werden doch über Gebühr bei der Vergleichshuberei herangezogen. Das Triumvirat um Colm (Drums), Sandra (Accordians) und Mike (Keys, Guitars, FX) (mehr Infos gibt's nicht) wildert in Gebieten, in der schon Bent, Naomi oder Donna Regina das ein oder andere Nugget erlegt haben. Schön und völlig unkitschig. Adult-Pop, halt.



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