BEWERTEN
 

Diverse

»Grlz – Women Ahead Of Their Time«

[Crippled Dick Hot Wax / Al!ve]

Text: Sonja Eismann, Sonja Eismann

Als selbstironischen Witz vorweg die eitle Frage: Wurde diese Compilation von frühen, visionären Punk- und Wave-Musikerinnen etwa extra für mich zusammengestellt? Um mich glücklich zu machen? Wohl kaum. Dass dem nicht so ist, ist ein beflügelndes Gefühl, das vermittelt, dass sich noch mehr Leute als meine Freundinnen und ich für die recht marginalisierte Geschichte der Frauen in den Anfängen von Punk interessieren müssen. Das zeigen natürlich unter anderem auch die diversen tollen Coverversionen von beispielsweise den Chicks On Speed aus dieser Epoche, außerdem findet sich auch ein Original, Delta 5s grandioses “Mind Your Own Business”, auf dieser Sammlung.

Die Auswahl der zwölf Stücke, die sich recht lose um die Koordinaten Ära und Geschlecht ranken, springt genau da in die Bresche, wo man die Namen Au Pairs, Raincoats, Kleenex und Malaria vermutlich schon mal gehört hat, Ludus, Rip, Rig And Panic (mit Neneh Cherry!), Maximum Joy und JaJaJa aber vielleicht noch nicht. Die Bevorzugung ästhetischer und Rareness-Kriterien vor politischen, die aber in den ausführlichen Linernotes doch noch zu ihrem Recht kommen, steht “Grlz” insofern gut, als jedes einzelne der Stücke nicht in erster Linie als Zeugnis, sondern als Hit funktioniert. Auch wenn man weiß, dass sich heute die Vorstellung von dem, was Punk leisten könnte, sehr weit von dem entfernt hat, was er tatsächlich mal wollte und konnte, ist es doch immer wieder belebend, vorgeführt zu bekommen, wie groß damals die Nähe, besonders an der Schnittstelle zu New Wave, zu unweißen Genres wie Dub, Reggae, Funk und auch Disco war. Und wie selbstverständlich Axiome wie Tanzbarkeit und Groove betont wurden. Dass der Akt der Selbstermächtigung im Punk, angeschoben durch die Frauenbewegung der 70er und radikale feministische Positionen von Künstlerinnen wie Valie Export, besonders bei Frauen regelrechte kreativ-politische Explosionen bewirkte, wird neben der für sich sprechenden Musik im Booklet exemplarisch durch Anekdoten, die z. B. den Sexismus von Tony Wilsons Hacienda bloßstellen, schön belegt. Was auch einer gewissen Ironie im Rahmen einer Veröffentlichung auf einem Imprint wie Crippled nicht entbehrt, das vor nicht allzu langer Zeit noch maßgeblich für Retro-Softsex-Kitsch wie “Vampyros Lesbos” oder “Schulmädchenreport” berühmt war. Mit dieser Sorte Compilation sollen sie bitte Regale zupflastern.



Artikel kommentieren
aus Intro #130 (August 2005)
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Sonja Eismann, Sonja Eismann
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
  • » Diverse - Photek DJ-Kicks
  • » Diverse - A Tribute To Japanische ...
  • » Diverse - Sonig Boxset Thing
  • » Diverse - Factory Records: 12
  • » Diverse - »Stimmen Bayerns – Die Liebe«
  • » Diverse - »Stimmen Bayerns – Der Tod«
  • » Diverse - Oh, dieser Sound – Stars...
  • » Diverse - Coming Home By DJ Hell
  • » Diverse - Freude am Tanzen 5zig
  • » Diverse - Werkschau
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 
 
Anzeige
 
  • THREADS ZU DIESEM ALBUM

  •  
 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]