BEWERTEN
 

Diverse

»Carl Barat – Under The Influence«

[DMC / Rough Trade]

Text: Markus Meske, Markus Meske

Es gibt Mitbürger, von denen möchte man lieber nicht genau wissen, was sie zu Hause für Musik hören. Im 82er-Hanuta/Duplo-WM-Sammelalbum z. B. (ja, ich habe es noch, und es fehlt nicht ein einziges Bild) wurde man ungefragt außer mit Körpermaßen, Länderspieleinsätzen und Lieblingsessen auch mit den musikalischen Vorlieben der Kicker der Nation vertraut gemacht. Mit acht Nennungen klarer Favorit: Peter Maffay. Abgeschlagen auf dem zweiten Platz mit je zwei Stimmen Rod Stewart und Abba. Trotzdem war für Rummenigge, Briegel und Co. damals immerhin der Vizeweltmeistertitel drin. Gibt es am Ende ein proportionales Verhältnis von schlechtem Musikgeschmack und sportlichem Erfolg? Je schlechter, desto Weltmeister? Hätten wir im Finale gegen Italien also mindestens neun Maffay-Fans in der Startelf gebraucht? Sei’s drum, auf zur eigentlichen Besprechung: Carl Barat (Sänger, Gitarrist und Ko-Songwriter) von den Libertines unterstellen vermutlich die meisten direkt mal ungehört einen besseren Musikgeschmack.

Immerhin gibt die Art und Weise, wie sich die Libertines treffsicher für ihren eigenen Sound der guten Momente der Rockgeschichte bemächtigten, ja auch Anlass zu dieser Vermutung. So dachten wohl auch die Macher der Sampler-Reihe “Under The Influence” und ließen nach Morrissey, Paul Weller und den Super Furry Animals nun auch Barat einige seiner Lieblingssongs zusammenstellen. Als Opener wählte Barat den Evergreen “Dream A Little Dream Of Me” von den Mamas & Papas, bevor die Herren Bowie und Dylan langsam zu den punkigeren Nummern von u. a. den New York Dolls und The Clash überleiten. Mit “Bigmouth Strikes Again” von den Smiths gibt’s dann kurz vor Ende der Zusammenstellung noch mal einen Indie-Disco-Hit zum Mitgrölen, bevor die schön schrulligen Moldy Peaches, Pulp und schließlich “Fit But You Know It” von The Streets den Mix beenden. Dem interessierten Fan gibt Carl Barat mit diesem Output einen spannenden Einblick in seine Musiksozialisation und einen Überblick über seine musikalischen Einflüsse. Für alle anderen ist “Under The Influence” einfach ein reizvolles, 15 Songs langes Mixtape auf CD. Ohne Maffay, Rod Stewart und Abba übrigens.



Artikel kommentieren
aus Intro #130 (August 2005)
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Markus Meske, Markus Meske
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
  • » Diverse - Photek DJ-Kicks
  • » Diverse - A Tribute To Japanische ...
  • » Diverse - Sonig Boxset Thing
  • » Diverse - Factory Records: 12
  • » Diverse - »Stimmen Bayerns – Die Liebe«
  • » Diverse - »Stimmen Bayerns – Der Tod«
  • » Diverse - Oh, dieser Sound – Stars...
  • » Diverse - Coming Home By DJ Hell
  • » Diverse - Freude am Tanzen 5zig
  • » Diverse - Werkschau
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 
 
Anzeige
 
  • THREADS ZU DIESEM ALBUM

  •  
 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.