BEWERTEN
 

Frank Black

»Honeycomb«

[Cooking Vinyl / Indigo / VÖ: 18.07.2005 ]

Text: Jasmin Lütz, Jasmin Lütz

Das Pixies-Comeback im letzten Jahr gilt wohl immer noch als die Sommerattraktion 2004. Ein wohliges Glücksgefühl für jeden, der Hits wie \"Monkey Gonne To Heaven\" oder \"Where Is My Mind\" miterleben durfte. Frontmann Frank Black hat mit den Jahren so manche Haarsträhne verloren und Bauchfett dazugewonnen, doch trotz Alltags- und Reunion-Stress schreibt er weiter fleißig an seinen Solostücken. Mit \"Honeycomb\" begrüßt er nach neun Jahren den Sommer und reitet dabei durch die verstaubte Country-Southern-Soul-Einsamkeit. Diesmal ohne seine langjährige Solo-Begleitung The Catholics. Auf krachige Indie-Gitarrenwände und Grunge-Punk-Getobe wartet der Revival-Fan allerdings vergeblich.

Der Mann muss schließlich auch mal zur Ruhe kommen und lässt seine Stromgitarre diesmal zu Hause. Stattdessen steckt er uns vierzehn Blues-Honigbonbons genüsslich in den Mund, die einen direkt in die 50er-Jahre-Memphis-Soulclubs beamen. Auf den Spuren von Bob Dylan reiste Mr. Black nämlich nach Nashville, Tennessee, um seine Entspannungs-Kollektion unter der Sonne des Americana-Souls aufzunehmen. Kein Wunder also, dass zum Beispiel \"Another Velvet Nightmare\" schwer nach Whiskey riecht und Blacks raue Stimme in sanfte Pianobegleitung taucht.

So ganz alleine durchquert er die neue Erfahrungslandschaft allerdings nicht. Tatkräftige Unterstützung erhält er u. a. von Gitarrist Steve Cropper und Bassist David Hood, die sich beide schon in den Stax und Muscle Shoals Studios mit Elvis Presley zu einigen Jam-Sessions trafen. Dieses 60s-R'n'B-Veteranen-Treffen im 21. Jahrhundert wird für Black wohl die spirituellste Erfahrung in seiner langen Musikerkarriere bleiben. Produzent der Nummer ist dabei kein Geringerer als Jon Tiven, der schon mit Soul-Legenden wie Wilson Pickett und B.B. King arbeitete. Ein weiteres Gastspiel hört man bei \"Strange Goodbye\". Hier singt Black im Duett mit seiner Ex-Frau Jean. Drei wunderbare Coverversionen gibt es ebenfalls zu hören, wobei der Schreiberin vor allem Doug Sahms \"Sunday Sunny Mill Valley Groove Day\" am Herzen liegt und für so einige \"La-La-La\"-Glückshormone sorgt. Das Singer/Songwriter-Nashville-Gewand steht dem Mann auf jeden Fall sehr gut. Ein Beweis mehr, dass Frank Black zu den einflussreichsten Songschreibern der 80er-Jahre gehörte - und dies auch zwanzig Jahre später tut. Das nächste Soloalbum des Workaholic steht auf jeden Fall schon in den Startlöchern.



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