BEWERTEN
 

Kaizers Orchestra

»Maestro«

[Universal / VÖ 15.8. / VÖ: 15.08.2005 ]

Text: Martina Hergenröther, Martina Hergenröther
[3 Kommentare]

Dass Wahnsinn nicht nur Methode, sondern auch oft richtig gute Momente hat, steht ja außer Frage: Einer davon ist sicher das Werk des Kaizers Orchestra. Mit “Maestro” umfasst das mittlerweile stolze drei Alben. Nicht viel – aber auch gewiss nicht wenig, wenn man im Hurra-Stil mal ganz nebenbei Rock und Pop in seinen Grundfesten erschüttert. Denn wer meint, sich 2005 in einer Echokammer zu befinden, weil ihm die Hits, die Stile, die Outfits so überaus bekannt vorkommen, dann ist er hier genau an der richtigen Adresse. Denn hier gibt es noch klaffende Differenz zum Mainstream und zum coolen Rock-Mittelmaß. Und zwar ohne auf Unhörbarkeit, Klassik oder Avantgarde auszuweichen.

Die markantesten Unterschiede sind sicher der Rhythmus (3/4 statt 4/4), das Volksmusikhafte (“Ompa Til Du Dor” hieß gleich die erste Platte, wobei Ompa ein traditioneller norwegischer Tanz ist) und natürlich die Sprache (nicht Englisch, auch nicht Französisch oder Deutsch, nein, der gute alte runde Pop-Sprech des Norwegischen kommt zum Einsatz). Besonders Letzteres unterstreicht für alle Nicht-Norweger natürlich das Exotische des Acts, macht aber auch einen nicht unwesentlichen Teil seines Reizes aus. Denn die ersten beiden Alben hinterließen deutliche Spuren auch in der hiesigen Szene, diverse Konzerte trugen zum guten Ruf der Derwische (gern mal mit Gasmasken auf der Bühne) bei. Wie das kommt trotz des offensichtlichen Vorbeigehens an eingeschliffenen Hörgewohnheiten? Nun, wenn man den Opener auf “Maestro” hört, kann man es schon erahnen: Es gibt mehr Wege zur Verzückung, als uns der Charts-Kanon glauben machen will. Vergleichbar ist Ompa sicher (und nicht nur lautmalerisch) mit Humppa. Dieser finnischen Polka, die seinerzeit bzw. bis heute auch hier in Form von Bands wie Eläkeläiset (bezeichnenderweise heißt eine Veröffentlichung “Humppa Til We Die”) viele Freunde fand und findet. Aber wo Humppa letztlich nur auf Spaß und Bierzelt verweist, gehen Kaizers Orchestra viel weiter: Ihr Ompa ist eben auch Rock und Indie und nicht nur mitreißend, sondern auch verstörend. Eine irre Band mit ebensolchem Album. Und wer noch mehr wissen will: Im Monitor-Bereich dieser Ausgabe findet sich auch noch ein kleines Interview.



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  • User: eldorianer
  • eldorianer 18.07.2005 | 18:01:16

    enttäuschend im Vergleich zu den ersten beiden Alben. "Verstörend" ist leider nichts mehr - auch wenn uns die Martina da was anderes erzählt. Die Differenz zum Mainstream war übrigens auch schon mal größer. Okay, und "Ompa" gibt es leider auch viel weniger.

    Drei, vier gute Lieder sind in der Tat drauf, das Album alles andere als schlecht - leider fehlt diese verschrobene Knarzigkeit. Man geht in die Disko, schreibt bei den White Stripes ab und lugt auf die Charts. Ja, die Kaizers Orchestra, die noch vor zwei Jahren düsterster Underground waren. Wenigstens in Deutschland.

  • User: stativision
  • stativision 19.07.2005 | 18:52:55

    ah, von eldorianer wenigstens ein review zur neuen platte (im gegensatz zu dem beliebigen quatsch da oben).

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