BEWERTEN
 

Sufjan Stevens

»Come On Feel The Illinoise«

[Sanctuary / Rough Trade / VÖ: 14.01.2008 ]

Text: Autor unbekannt
[7 Kommentare]

Schwer zu sagen, was Sufjan Stevens liebenswerter macht: seine gigantomanische und - zumindest auf den ersten Blick - Hardcore-patriotische Idee, zu jedem US-Bundesstaat ein Konzeptalbum zu veröffentlichen, oder die Alben selbst. Zum Konzept: Jetzt, bei Erscheinen des zweiten Werks, wird bei all der gebotenen Freude klar: Stevens muss sich beeilen. Denn wenn er so langsam weiterarbeitet (alle zwei Jahre eine Platte), würde er erst in knapp 100 Jahren fertig werden - zusätzlich zu komponierende Alben für etwaige neue US-Bundesstaaten mal ausgenommen. Und es wäre ihm zu wünschen, dass er seine programmmusikalische Reise, die bei Vollendung KLFs \"Chill Out\" oder Smetanas \"Moldau\" in nichts nachstehen wird, vollendet.

Wir brauchen diese Alben, gerade wenn - wie jetzt bei Illinois - wieder klar wird, dass der harte Formalismus der Aufgabe Stevens' Kreativität eher anzustacheln als niederzuringen scheint. Denn: Auch sein neues Album ist das Gegenteil von zusammengeschustert. Der Multiinstrumentalist Stevens gleitet in seiner Hommage an Illinois - an Chicago, Al Capone, Superman usw. - wie auf Schwingen durch den Indie-Pop-Nebel. Dabei hält er sich mal an die Schrankenlosigkeit Badly Drawn Boys, mal an das Verschüchtert-Domestizierte von Belle & Sebastian. Das wunderschöne Kernstück der 22 (!) Songs über Illinois, \"Chicago\", läutet zudem eine Wachablösung ein: Wenn Stevens über seinen Aufenthalt in Chicago singt \"We slept in parking lots / I don't mind / I don't mind\" und dann hinter ihm wunderschöne Trompetenmelodien jene Verse adeln, dann spürt man, dass \"Washington, D.C.\" von Magnetic Fields - der schönste Städte-Song der letzten Jahre - endlich einen würdigen Nachfolger gefunden hat. Und: dass man gerne dabei gewesen wäre. In diesem Auto in Chicago.

PS: Sufjan Stevens hat jetzt selbst nachgerechnet und will seinen Output erhöhen: Laut Informationen seines US-Labels Asthmatic Kitty könnte noch dieses Jahr ein Weihnachts-Doppelalbum folgen, bereits vorher möglicherweise eine \"EP zu einem kleineren Staat\".



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  • User: haru_specks
  • haru_specks 07.09.2005 | 11:09:53
    shine on
    das erinnert mitunter an randy newman, ohne ranzig zu klingen: orchestral, kaum rockanleihen... und die vinylausgabe muss sich keineswegs verstecken. schönes artwork, schöne triptichonaufteilung. klasse.

  • User: Der Jeff_Dieter
  • Der Jeff_Dieter 07.09.2005 | 12:30:05
    proper tea is theft
    Ich verstehe ja irgendwie, warum man sich alte Sachen, die zu Zeiten rauskamen, als es noch keine CDs gab, heute auf Vinyl kauft. Ebenso kann ich das bei Techno und HipHop Platten, die zum Scratchen gekauft werden, nachvollziehen. Aber warum z.T. kaufst Du Dir 2005 ein brandneues Alben, dass Du hoffentlich nicht zu scratchen beabsichtigst, auf Vinyl?

  • User: haru_specks
  • haru_specks 07.09.2005 | 12:52:53
    shine on
    weil ich weitsichtig bin und die schriften auf cds nicht mehr lesen kann. weil ich dafür schränke habe. weil ich mich dazu entschloss. weil ich sowieso altes vinyl kaufe. weil mir ein tonband, ein cassettenrecorder, ein dvd-player und 2 plattenspieler an unterschiedlichen abspielgeräten schon reicht und ich die cd-player nicht gerne bediene. weil ich gerne der nadel zusehe, wie sie bei welligen vinyl hin- und herhüpft. weil vinyl seit 10 jahren togesagt ist. weil ich mir endlich all die infrastruktur aufgebaut habe, um schnell und einigermaßen kostengünstig an vinyl zu kommen. weil es auf die größe ankommt und 12 zoll einfach fett ist. weil auflegen mit verschiedenen formaten mir keinen spaß macht. weil ich ein bornierter trotzkopf bin.

  • User: damentennis
  • damentennis 07.09.2005 | 13:00:42

    aber immerhin ein bornierter trotzkopf mit vinyl im schrank! das ist doch schon mal was.

    ach ja: geiles album, auch auf cd...

  • User: CrazyBird
  • CrazyBird 07.09.2005 | 13:16:56
    War nicht so gemeint.
    Und weil die Vinylausgabe mit Foldout-Cover so viel schöner ist. Sieht man auch wieder bei der neuen Goldfrapp.

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