Tanzen
»mit Markus Tomsche, Thomas Venker & Misc«
Text:
Markus Tomsche,
Thomas Venker,
Markus Tomsche,
Thomas Venker
Oder besser mit dem einen von Misc. Christopher Bleckmann kann leider nicht, so muss Hannes Wenner alleine mit uns durch. Durch müssen, da dies eine nörglerische Ausgabe unserer beliebten Kolumne werden wird: zu viel Mist around. Aber kann man nichts machen. Zumindest wir einfachen Schreibertypen nicht. Der Musiker unter uns hat da ja andere Möglichkeiten. Und auch von ihm produzierte Abhilfen gegen das Mittelmaß mitgebracht. Die neue EP auf Sender (Kompakt): \"Talking Ghosts\". Ein solider 3-Tracker mit düsterem, knarzigem Techno, wie man ihn von Misc kennt - und wofür man die beiden schätzt. Der erste Vorbote des im September kommenden Albums \"Like Morning In Your Eyes\" (Sender / Kompakt), auf dem sich auch die drei Stücke der Maxi finden.
LCD Soundsystem \"Disco Infiltrator\" (DFA / Labels / Emi) - W: Man ist jetzt bei Emi, aha. V: Ja, die haben vor einiger Zeit einen Vertriebsdeal mit Labels unterschrieben. W: Wenn man liest, dass das Album im UK in die Top 20 gegangen ist, dann versteht man auch, warum der Remix da hinzieht. V: Gefällig für die Clubs. Jetzt der Dub-Remix. W: So nennen die Engländer ja Mixe, die gar keine Vocals haben. Bei uns meint das ja mittlerweile eher Dubtechno. V: Hm, auch schon 18 Takte das Gleiche. Opsi, da sind doch noch Vocals im Dub-Mix. Aber macht ihn auch nicht besser. W: Extrem langweilig.
Nine Inch Nails \"The Hand That Feeds - The Photek Remixes\" (Universal) - W: Das klingt doch gleich nach Jake Fairley, nach Rocktechno. Wenn Photek zuletzt gerade machte, dann mochte ich das ja. Ein bisschen voll der Sound bei diesem Mix. V: Weniger wäre mehr. Aber das ist bei den Engländern so eh noch nicht angekommen. T: Ich skipp mal vor. W: Ich glaube nicht, dass sich das noch groß ändert. T: Gibt auch wieder einen Dub-Mix, da ist halt die Stimme noch etwas weiter hinten. W: Und die Gitarren noch weiter vorne.
Wighnomy Brothers & Köhncke/Heimermann \"Wombat / Albatrod\" (Speicher 31 / Kompakt) - W: Sehr schön. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie im Studio damit die Pre-Hour bestritten wird. V: Aber das ist doch 'ne Speicher. Seltsam. Köhncke schenkt uns da für die Reihe eher untypischen, sehr dezenten Folkgitarrenambient. T: Jetzt kommen die Wighnomys. W: Auch das ist für Speicher sehr entspannt. Aber toll, hat auch den für sie so typischen Groove. Aber nicht diesem Leitmotto gemäß: \"Speicher bringt die ursprüngliche Technoidee zurück.\" T: Kein Kreischen.
The Juan Maclean \"Tito's Way\" (DFA / Labels / Emi) - T: Ich finde diesen Volksmusikbass ganz gut. V: So besonders, wie es mir empfohlen wurde, finde ich das jetzt aber nicht. W: Vielleicht die andere Seite mit dem Original mal auflegen. Auf gar keinen Fall die Baustelle, auf der wir so unterwegs sind. T: Sind halt so komische Ideen. W: Man hört den Metro-Area-Einfluss. Das macht bestimmt irgendwo Spaß, aber ich weiß nicht wo.
Lawrence \"The Night Will Last Forever\" (Ladomat / Mute / Emi) - V: Lawrence ist ja immer toll, so was wie das vorweggenommene Highlight des Nachmittags. W: Finde es schön, dass er immer konkreter wird in letzter Zeit, melodisch greifbarer. Aha, ein John-Tejada-Mix. Da kann ja nichts schief gehen. V: Finde ich gut, den Mix. Er behält die Atmo des Originals und bringt zusätzlich Zug rein. W: Ich mag den punktuell angezerrten Bass. T: Jetzt die b mit einem Lusine-Mix. Kennt ihr noch Like A Tim? Das war auch immer - wie das hier - sehr holprig und weit draußen. W: Könnte aber, wenn er noch ein bisschen anzieht, fast noch weiter nach draußen gehen wie der Tejada. Schon krass, wie das springt. Da werden schon einige DJs ... T: Oh, die Platte springt. Ist gar nicht der Mix. Aber die Nadel will den Mix nicht haben. Jetzt beim nächsten Original geht es wieder: \"Happy Sometimes\". W: Oh, für Lawrence ganz schön auf die Fresse. Ich mag ja Lawrence generell mehr als Sten, sein anderes Projekt. V: Ja, Lawrence hat mehr Wärme, Atmosphäre; Sten ist kälter, hat eine glattere Oberfläche.
Basteroid \"Dawaj Dawaj\" (Sender / Kompakt) - V: Das mag ich ja an den Areal-Sachen so, und auch an Sender: Da wird Musik ganz klar für den Club gemacht, aber eben mit jeder Menge Experimenten und verspielter Freude. W: Das macht für mich ja Techno gerade auch wieder so interessant, dass man nicht nur Funktionalität im Blick haben muss, sondern auch inhaltlich arbeiten kann. Wobei ich gerade auf dem Weg hierher die Cocoon-Compilation gehört habe, und da ist der Track von Ada ja schon sehr unlustig, mit seiner verzerrten 909. Da habe ich echt Angst bekommen. Und jetzt Break. Das klingt doch nach unserem Sheldon \"Gringo Grinder / Sid Le Rock\" Thompson. Die b hat einen lustigen Snare-Sound und kommt ganz schön funky. Die a ist aber mehr bei sich. V: Die b ist irgendwie Teilzeitarbeit. Lauter einzelne Parts, aber die Verbindung fehlt. W: Ja, passt nicht zusammen.
The Glass \"Fourteen Again EP\" (Plant Music / Groove Attack) - W: Das hat durchaus Chartspotenzial. Ist doch alles dabei, was gerade nötig ist: Bass, Gitarre, Schlagzeug und Vocals. Erinnert an die Band von deinem Shirt, die Killers. Nur etwas weniger punkig. Wobei das zweite Stück mehr nach Strokes klingt als nach Killers. V: Ganz gute Band, aber noch nicht so richtig da. W: \"Aber auf einem guten Weg\", würde Jürgen Klinsmann sagen. Daso \"Daybreak\" (MBF / Kompakt) - W: Düster, großräumig. V: 'ne Nebel-Rave-Platte. Das Sample hat so 'ne Dr.-Mabuse-Wirkung. Kennt ihr die noch: Propaganda? W: Klar. Waren super. T: Düsseldorfer. V: Die Fläche auf der b erinnert mich an was, an was richtig Bekanntes. W: Gefällt mir besser als die a. Stimmiger. V: Ganz schön, diese gebrochene Stimme. W: Wenn es das geben könnte, wäre es Minimal-Prog-Trance. Aber schreib das nicht, das ist zu böse. Absolutes Schimpfwort. Hört man in Frankreich viel zu viel; wenn die Leute ihre guten Minimal-Platten durchgespielt haben, landen sie bei viel zu voll gestopftem Melodiezeug. Er sollte hier mal ab und an etwas weglassen. Die Fläche kommt beispielsweise zu oft.
Out Hud \"It's For You\" (!K7 / Rough Trade) - V: Sind ein Teil von !!!, kommen aus New York und waren zuletzt auf dem Primavera in Barcelona mit das Beste, was ich gesehen habe. [Venker grinst freudig, die beiden anderen gucken verstört] W: Ein bisschen schräg. Oh Gott, und jetzt auch noch balearisch. Und du fandest die gut? V: Ja. Auch das ganze Album ist großartig. W: Im Moment schwer vorstellbar.
Ricardo Villalobos \"Chromosul\" (Perlon / Neuton) - T: Der interessiert doch auch nicht mehr. W: Das sieht der Großteil der Technowelt aber anders - kennt ihr eigentlich die Seite www.ubercoolische.com? Müsst ihr euch mal anschauen. V: Kenn ich noch nicht ... Ricardo ist zu Recht so beliebt. Er legt mit so viel Begeisterung auf wie kein anderer. Und richtig gut. T: Das Stück geht 57 Minuten. W: Und ändert sich vermutlich gar nicht. Der Promotext sagt schon alles: \"Ricardo takes us again into a deep journey through the endless world of the midi-chlorians.\" V: Ich seh ihn ja mittlerweile eher als Albumkünstler. Diese Stücke überfordern doch beim Auflegen die meisten DJs.
Caro \"The Return Of Caro\" (Otal / Kompakt) - W: Ist ja ein Album. Viel zu viel für die Kolumne. Aber okay, irgendwo zwischen dem, was DJ Koze und die Neptunes wollen - aber nicht so gut. V: Junge, Junge, beim Gesang klingt das einfach nur scheiße. Nicht nur die Stimme, auch die Produktion. T: Klingt, als ob sich jemand lustig macht und Spaß haben will - aber das geht halt nur, wenn die Musik gut ist. Und das ist sie nicht. V: Wir haben einfach schon zu viel Gutes in unserem Leben gehört. W: Das ist in der Tat ein Problem.
Carsten Jost \"Divide Et Impera\" (Sender / Kompakt) - W: Kleines Dial-Special hier und genauso wie Lawrence nicht bei sich zu Hause auf dem eigenen Label, sondern bei unserem Stammlabel. V: Oh, es klingelt. Ich muss mal kurz runtergehen. W. Ich glaube ja, dass das im Stück war. V [nach einer Minute]: Stimmt. Hm, die a ist aber auch nur Standard. W: Ja, gefällt nicht wirklich. Der Remix auf der b ist von k.lakizz. V: Irgendwie Stillstandtechno. T: Klingt nicht nach einer Party, auf der man gerne wäre. W: Stimmt.
Tricky Disco / GTO \"Tricky Disco / Pure (Energy)\" (Speicher 30 / Kompakt) - V: Haben sich Kompakt einen Wunsch erfüllt und einen Alltime-Klassiker lizenziert. T: Muss man nichts zu sagen: Ist schön. W: Stimmt, solche Klassiker bedürfen keines Kommentars.
Cristian Vogel \"1968.Holes\" (Novamute / Emi) - W: Echt schnell und nach vorne. Dafür, dass er irgendwann mal gesagt hat, dass er keinen Techno mehr machen will, ist es ganz schön Techno. V: Mit weirdem Gesang von Kevin Blechdom. Sehr anstrengend. W: Auch das klingt nach einer Party, auf der ich nicht sein will - um dich zu zitieren, Markus. Müsste eigentlich bei Tresor erscheinen und nicht auf Novamute.
The MFA \"Zone Day\" (BPitch Control / Rough Trade) - V: Ihre letzte (?) Maxi auf Kompakt, die eine Lizenzierung von Border Community war, war ja eines meiner Highlights des letzten Jahres. So schön poppiger Rave, der alles will und alles kriegt. W: Da gehen die Hände schon wieder hoch. V: Ist etwas bemühter als die letzte Maxi. Was an dieser \"I feel my disco beat / my day break\"-Vocalline liegt. W: Happy Hardcore eben. Klingt nach 92. V: Ich schätze bei der letzten Maxi - und das ist dann auch wirklich das letzte Mal, dass ich mit der komme -, dass sie so subtil kam. Das hier ist mit dem Lattenzaun.
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Diese User besitzen die Platte
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
WEITERE PLATTEN
ÄHNLICHE PLATTEN
- » Buju Banton - Friends For Life
- » Morgan Heritage - More Teachings
- » Buju Banton - UInchained Spirit
- » Apache Indian - Make Way For The Indian


