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»Chez Herri Kopter«
[La Tribu / Le Pop Musik / Groove Attack / VÖ: 02.04.2004 ]
Text:
Burkhard Welz,
Burkhard Welz
Monsieur Minière dürfte vielen Kennern der “Le Pop”-Compilations nicht unbekannt sein. Zur gemeinsamen Deutschland-Tour mit Toma und den Le-Pop-DJs im vergangenen Jahr gab er live schon mal eine Kostprobe seiner aufgefrischten Herri-Kopter-Existenz, die mit früheren elektronischen Eskapaden bricht und damit vornehmlich die Intention verfolgt, sein Herri-Kopter-Alter-Ego mit der Person Minière zu verschmelzen. Künstler-Schizophrene unter sich, wenn man so will. Aber eigentlich verfolgt Minière damit vielmehr die – literarische – Position des Erzählers, der aus auktorialer Perspektive verschiedene Personen erfindet, die in einer fiktiven Geschichte diverse Funktionen einnehmen.
In der Musik nennt man das dann meistens Konzept-Album. Bei “Chez Herri Kopter” bedeutet dies: Kapitalismus-Kritik am Beispiel des Großkapitalisten Kopter und dem Auftrags-Künstler Minière, der sein Produkt ressourcenschonend (Fantasie als begrenzt vorhandenes Luxusgut), aber effektiv abliefern muss. Oder befinden wir uns hier am französischen Hofe mit dem Auftrags-Maler Minière, der ein möglichst schmeichelndes Portrait des Herrschers anfertigen muss? Nein – denn das Unternehmen Kopter ist ein minutiös durchgeplantes Verwirrspiel der Neuzeit, ein Theaterstück in CD-Konserve. Bei Interviews werden beispielsweise fiktive Bewerbungsunterlagen des Kopter-Konzerns verteilt, bei “Les Chiffres Du Jour” werden gar imaginäre Aktienkurse zu Selbstvertrauen, Poesie und Sinn des Lebens gelistet. So ist nicht nur textlich einiges zu holen in diesem Gesamtpaket (zumal in der deutschen Ausgabe die Übersetzung mit beiliegt). Auch musikalisch geht Minière den Weg der größtmöglichen künstlerischen Effizienz. Seine sonst eher elektronisch beeinflussten Kompositionen werden diesmal noch abgespeckter und rauer präsentiert. Bass und Gitarre bestimmen das Bild. Referenzen an die leeren Zwischenräume des Post-Rock oder die streng krautrockige Rhythmik scheinen beabsichtigt. Das fluffige “Mon Truc À Moi” und die weiche französische Sprache funktionieren dabei als perfekte Kontradiktion. Im Intro-Kosmos ist “Chez Herri Kopter” sicher besser aufgehoben als bei der schöngeistelnden Chanson-Fraktion in den Cafés der Bourgeoisie. Denn dort würde dieser durchaus lohnenswerte Ansatz eher konterkariert.
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