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»Semt Semt Sokak«
[Ypsilon / Alive / VÖ: 18.07.2005 ]
Text:
Hannes Loh,
Hannes Loh
Dass türkischer Rap in Deutschland entstand und von hier seine Verbreitung in die Türkei fand, ist nicht nur eine musikhistorisch bemerkenswerte Tatsache. Sie wirft auch ein Schlaglicht auf die bundesrepublikanische Handhabe des Staatsbürgerschaftsrechts und den Umgang mit Migranten. Wem Partizipation verweigert wird, der sucht schneller Zuflucht in der Kultur und Sprache der Eltern. Ende der Achtzigerjahre legten Islamic Force aus Berlin den Grundstein für das, was heute unter dem Etikett “Türkisch Rap” firmiert. Killa Hakan kommt aus den Tiefen Kreuzbergs. Er trug das Erbe der 36 Boys und das von Islamic Force ins neue Jahrtausend.
“Semt Semt Sokak” ist sein zweites Album. Bis auf einige Gastraps auf Deutsch und Englisch sind die Lyrics in türkischer Sprache gehalten.
Killa Hakan rappt druckvoll und mit einem guten Gespür für die Melodik und Rhythmik des Türkischen. Seine Spezialität sind die Refrains: Sie sind gewaltig und bleiben hängen. Musikalisch hat der Ex-Frankfurter Volkan seine Finger im Spiel, was dem Album sehr gut tut. Viel Synthie und Bass, viel Elektronik, aber immer treibend und frisch. Kaum Samples, dafür eingespielte Melodien mit vielen Details, die einen perfekten Hintergrund für Killas Raps bilden. Von Fuat mag man halten, was man will, seine Gastraps auf “Semt Semt Sokak” sind technisch brillant und vom Style her mit das Beste, was es auf Türkisch gibt. Im Video zu dem Song “Ufak Ufak” sollen Skinheads auf Killas Beats Kopfnicken. Das Label will damit den durch Fler erneut angefachten Deutsch-Diskurs symbolisch unterlaufen. Was aber soll uns das sagen: Nazis finden Türkisch Rap toll und diskreditieren sich so selbst? So wie Specter und Spaiche von Aggro Berlin hoffen, dass die Nazi-Hools, die auf die Konzerte ihrer Labelschützlinge kommen, nach und nach ihre rechte Einstellung aufgeben, weil B-Tight Afrodeutscher ist? Gibt es da nicht bessere Strategien? Schließlich könnte man ja auch mal offen sagen, dass man mit Faschisten nichts zu tun haben will!
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