BEWERTEN
 

Thomas Dybdahl

»Stray Dogs«

[Glitterhouse / Indigo / VÖ: 25.04.2005 ]

Text: Daniel Decker, Daniel Decker

Northern Soul? Öhm, eher nicht. Aber mit Norden und Soul hat diese Platte dann doch irgendwie zu tun. Alleine der Opener “Rain Down On Me” wäre es würdig, von einem der ganz Großen wie z. B. Solomon Burke gecovert zu werden. Aber halt, jetzt kommt man, ohne nur ein unangebrachtes Wort geschrieben zu haben, auf eine falsche Fährte. Trotz aller souligen Einflüsse – man nehme nur diese flächige Orgel mit Vibrato – ist das vielmehr eine Songwriterplatte. Die akustische Gitarre kommt hier nicht zu kurz, und bei “Cecilia” darf auch eine schöne, verhallte Lapsteel nicht fehlen. Und immer wieder diese Stimme. Tief, ein wenig nölig, zusammen mit der Musik irgendwo zwischen Nicolai Dunger und Tim bzw.

Jeff Buckley. Besonders schön ist es, wenn z. B. in “Pale Green Eyes” die hohe, hauchige Stimme von Bertine Zetlitz der Tiefe entgegengesetzt wird. Und Dybdahl versteht es, große Momente zu inszenieren, das Pathos klar zu seinem Vorteil auszunutzen. Wenn er einen ganzen Chor die Zeilen “Honey, you are the light, when darkness takes me / You’re the good, when evil breaks me / You’re the love that won’t forsake me!” schmettern lässt, dann zieht sich die Haut an den Armen und Beinen angenehm zusammen. Und lächeln muss man, wenn sich direkt im Anschluss ein kleiner Huster auf die Aufnahme geschlichen hat. “Let it all rain down on me!” Ja, hier singt und spielt der aus Norwegen stammende Dybdahl direkt durch seine Seele, und so wären wir dann ja doch wieder irgendwie beim Northern Soul.



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