BEWERTEN
 

Bart Davenport

»Maroon Cocoon«

[BB Island / Edel Contraire / VÖ: 07.01.2005 ]

Text: Arnold Kant, Arnold Kant

Eine Reise ins Innere der Trauer. Nur konsequent also, dass Bart Davenport statt der nüchternen Studioumgebung, in der das funkelnd-glamouröse, offensiv nach außen gewandte Vorgängeralbum “Game Preserve” entstand, diesmal das heimelige Apartment als Produktionsstätte für seine zwölf neuen Songs wählte. Introspektiv heißt aber nicht gleich schwermütig. Die Geschmacksrichtung ist eher Zartbitter-Trauben-Nuss. In Form von Schokolade würde ich dergleichen verschmähen, so aber lassen sie mich Stück für Stück dahinschmelzen, diese Lieder, die Bart der so genannten Realität, seinen verkorksten Liebesbeziehungen, unerfüllten Sehnsüchten und unerreichbaren Zielen entgegenstellt.

It works, denn Musik ist eine Macht. Im Verein mit Melancholie sogar eine Großmacht, würde ich sagen. Das Instrumentarium und die Zahl der Musiker wurden enorm reduziert, alles rankt und mäandert um die akustische Gitarre und den zarten Gesang, mal flankiert von fragilen Saxophonklängen (“Finishing School”), mal von einer bratzigen Glamrockgitarre (“LA Girls”). Durch diese klitzekleinen Versatzstücke wie durch die warme Produktion wird klar, wo der Songwriter aus Berkeley sich historisch verortet: in der guten alten Zeit von 1969 bis – na ja, sagen wir mal – 1976. In Interviews offenbart Bart denn auch gern, dass er sich dem Post-Beatles-McCartney besonders nahe fühle. Überhaupt scheint er ein Faible für Musiker in ihrer nachklassischen Phase zu haben: Donovan, Kinks, Arthur Lee – vielleicht, weil der Sockel dann nicht mehr ganz so hoch ist. Kommerzielles Scheitern ficht ihn indes nicht an. “I just want my music to be out there. I’m done chasing the brass ring.” In diesem Sinne, Bart: Never mind the Simpsons!



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