Alle Ziele, viele Stile
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Text: Autor unbekannt
Diverse \"Remixes And Covers\" (UNICEF / Rough Trade) - Guter Zweck heiligt die Mittel. Und es sind sehr unterschiedliche Mittel, mit denen hier 20 Bands und Künstler aus verschiedensten Ländern den Song \"Army Of Lovers\" von Björk remixen oder covern. Der Opener Interzone spielt den Song in einer Thrash-Metal-Version mit Stop'n'go-HC-Elementen, so wild wird es danach nicht mehr. Sehr vielseitig, in der Massiertheit schwankt der eigene Zustand zwischen ermüdend bis erhellend. Bekanntester Name: vielleicht Patrick Wolf. Auch dabei: Jean Michel unter dem Alias Beats Beyond.
Gwar \"Live From Mt. Fuji\" (DRT / Soulfood) - Die Gwar-Reunion hat auch nicht gerade viel Staub aufgewirbelt.
Leroy Hanghofer \"White Trash\" (Gomma / Groove Attack) - Geschichtsstunde für Kids und Styler. Diese Platte begründete den Ruhm von den Munk- und Gomma-Jungs. Dankenswerterweise noch mal aufgelegt. Fraglos legendär.
Julia Hummer And Too Many Boys \"Julia Hummer And Too Many Boys\"-7-Inch (Strange Ways) - Nach all den Legenden um diese Allstar-Band um die beiden Indie-Ikonen Crispy (Schneider TM) und Crunchy (Krite) und Actor-Weirdo Julia Hummer wird es jetzt endlich ernst. Man kann sich überzeugen, dass es sich hier um ein großartiges Projekt der Façon Indie-Folk mit Melodie und Schwermut handelt. \"Empire\" sei inspiriert von Negri und Hardt, sagt Hummer live und auch, dass sie Intellektuelle hasse und sportbegeistert sei. Kommentare wie die Songs: gut daneben, aber trotzdem nicht draußen.
Kabanjak Meets Protassov \"Grow\" (Switchstance) - Die zwei Knöpfchenhengste von Switchstance mit ihrem ersten Artist-Album. Sehr flächig und voller Detailfreude arrangiert. NuJazz, Down, Funk und Seele. Musik für den guten alten Smooth Operator in dir.
Leslie Woods & Dark Mountain Orchid \"The Luxury Of Sin\" (Glitterhouse / Indigo) - Come to the dark side ... of female folksinger-tum. Aimee Manns bittere, gemeine, genialische große Schwester - könnte man sagen, wenn man es blumig mag. Leslie mag es dagegen eher düster und schroff. Wenn Tom Waits von diesem Album wüsste ... Alan Braxe \"The Upper Cuts\" (Different / Pias / Rough Trade) - Die Stimme kennt man. Alan sang einst den halb- bis schwergeilen Ohrwurm \"Music Sounds Better With You\" mit Stardust. Das Hier und Jetzt bietet wenig Überraschung. French House für den Club und manchmal auch für den flauschigen Hintergrund. Nicht schlecht, aber die neue Benjamin Diamond war doch weit advancter.
Blues Brother Castro \"Money Maker Me\" (Decoder) - Absolut amtliche \"Post-Emo meets Interpol\"-Platte aus dem schönen Holland. Weiter vorn als mancher \"The\"-Act mit all seiner Referenzhuberei.
Diverse \"The Smart Club (Indie Disco Galore)\" (Panatomic / Indigo) - Marc Liebscher, das flauschige Trüffelschwein der hiesigen Indie-Kids-Szene, hat so manchen von jenen Künstlern entdeckt und gefördert, die gerade den Radioplaylist-Olymp neu einrichten. Allen voran die Sportfreunde, aber auch Virginia Jetzt! und Mehmet Scholl wären ohne ihn nicht da, wo sie heute sind. Für die Compilationreihe des Münchner Atomic-Cafés stellt er die Sentimento-Git-Rock-Ausgabe zusammen. Geschmackssicher zwischen bekannten Kings und neuen Herrschern mit u. a. Robocop Kraus, Kasabian, Dogs, Ian Brown, 22-20s, Moneybrother, The Cribs. Ganz souverän.
The Get Up Kids \"Live! At Granada Theater\" (Vagrant / Universal) - \"Hey, here we go!\" Der Einstieg verweist nicht gerade darauf, dass man es hier ein aufgezeichnetes Konzert lang mit einer wirklich außergewöhnlichen Band zu tun bekommen wird. Ist aber so. Und mit einer toten. Die Get Up Kids waren naiv genial, bis alle davon wussten und kündeten. Dann konterten die Jungs, die jetzt mitunter bei Koufax oder Something Corporate weitermachen, mit Progrock-Punk. Das wurde ihre Spätphase, die Alben \"Guilt Show\" und \"On A Wire\" überzeugten nur noch treueste Fans. Live hatten sie viel von ihrem Megaseller \"Something To Write Home About\" im Programm. Gute Sache, aber nichts, was diese rohe Live-CD davor rettet, ein recht triviales Artefakt zu sein. Schön, aber überflüssig.
Herman Düne \"Jackson Heights\" (Track And Field) - Uhh, Herman Düne. Absolutes Schmuckstück für Entdecker und Lover. Gerade erschien das unglaublich kleinteilig geniale Album \"Not On Top\", hier kommt noch eine EP nach. Ach, diese etwas angequäkte Stimme, diese sparsam semi-folkige Instrumentierung ... Zwischen Jonathan Richman und Evan Dando.
Diverse \"The 2nd Step\" (CMM) - Interessant aufgemachte DVD zum Hipster-Thema 2000: Two Step - und was draus wurde.
Hellfish \"One Man Sonic Attack Force\" (Planet Mu / Groove Attack) - Dagegen ist DeeJay Punkroc eine Butterfahrt und Kulturni Programm \"Die Sendung Mit Der Maus\". Big-Beat-Pop-Geboller unter der Voraussetzung des rutschigen Dancefloors. Fies, nervig, nicht ohne geile Momente.
Basement Jaxx \"Basement Jaxx - The Singles\" (Edel) - Etwas milderes Punk-Tanzflächentum sind da die Jaxx. So wenig Alben und schon eine Best-of? Etwas überambitioniert, aber für Einsteiger in die eigenwillige Disco-Welt der zwei Weirdos ein köstlicher Arschtritt.
Sioen \"Ease Your Mind\" (Keremos / Alive) - Big in Belgien tonight. Für Benelux-Acts ja oft ein ganz schweres Unterfangen, das auch im restlichen Europa fortzusetzen. Krezip oder Sincere haben trotz guter Presse den Sprung nie geschafft. Woran's liegt? Sicher nicht an Haldern. Da werden die Connections D/B/NL immer wärmstens gepflegt. Auch Sioen waren schon dort. Um ihren anspielungsreichen Breitwand-Gitarren-Rock aufzuführen. Leise Töne, bluesige Tropfen, harte Ausbrüche - auf diesem Album geht alles. Mitunter nervt die Heterogenität dann aber - bei aller Liebe zum Stil- und Emotionsfüllhorn - schon.
The Amazing Pilots \"Hello My Captor\" (Décor / Cargo) - Zwei Londoner Brüder machen Rock ohne Hysterie, aber immerhin mit einem \"The\". Düstere Gitarrenläufe, kauzige Einfälle und die Bauernschläue von den Frames. Absolut angenehmes Album jenseits vieler Klischees.
Minusmen \"Discordia\" (Gorilla / Cargo) - Was für treibende Songs, extrem wuchtig und nachhaltig. Das bläst sogar die etwas schwächelnde Produktion hinweg, und dass Minusmen nur zu dritt sein sollen, erscheint spätestens bei dem Brecher \"Surprise Ending\" ziemlich irritierend. Ausgereifter Post-HC mit Melodien, wie sie einst mal Texas Is The Reason schreiben konnten. Und das Ganze stammt sogar aus heimatlicher Region. BRD Is The Reason.
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