BEWERTEN
 

Weezer

»Make Believe«

[Universal / VÖ: 09.05.2005 ]

Text: linus volkmann, linus volkmann

Guter Quote, den man da zu dem Seltsamkeits-Phänomen Weezer in einer internationalen Pressemappe mitgeliefert bekommt: “You can’t be a true Weezer-fan unless you are unhappy with what the band is doing – basically, you have to hate Weezer to be a true fan.” Wie lustig, wie realistisch. Denn Weezer sind im Pop-Zirkus wirklich nur zu ertragen, wenn man willenlos und genügsam die Hits mitpfeift, die ja doch immer mal wieder abfallen. Neben dem Initiationsding “Buddy Holly” von vor mittlerweile geschlagenen elf Jahren gibt es ja noch eine Hand voll andere. Allen voran den süßen mit dem Tiervideo in der Wüste.

Da konnte man als Fan einfach sagen: “Ja, geil, das habe ich sicher für mein Mixtape, und der Rest geht mich nichts an.” Als Musikjournalist und auch Gerne-Leser von Geschichten rund um die eigene Lieblingsband kann man dagegen bloß sagen: “Ach, Scheiße, mal wieder Weezer. Die langsamste Poppunk-Band der Welt bezüglich Veröffentlichungen – und da gibt es doch neben der Platte mal wieder nichts zu wollen.” Genauso ist es auch bei “Make Believe”. Zum letzten Album gewannen wir beim Intro, glaube ich mich zu erinnern, nur ein Telefoninterview mit dem Bandmitglied, das damals gerade neu und diesmal schon nicht mehr dabei ist. Waren darüber aber auch nur so lange frustriert, bis wir Visions-Ingos Sänger-Exklusiv-Interview nachlasen, in dem klar wurde, dass Rivers Cuomo tatsächlich Kontakt und Kommunikation mit fremden Menschen fürchtet. Zu “Make Believe” wurde er als Talkgast daher wohl auch gar nicht mehr angeboten. In der aktuellen TV-Spielfilm zumindest mutmaßen mal wieder nur seine Begleitmusiker über Sinn und Aussage der Band und Cuomos Texte. Spröde, aber okay. Muss sich ja nicht jede Band, die insgesamt bereits sechs Millionen Platten weltweit verkauft hat, zwangsläufig auch der Öffentlichkeit stellen. Läuft doch auch so, und wer mehr will, muss eben eins der seltenen Live-Gastspiele ergattern. So steht das neue Album einfach für sich, und ehrlich gesagt wirft es ja auch textlich wie entwicklungsmäßig keine existenziellen Fragen auf. Es will gefallen, es ist nicht dumm, nicht stehen geblieben, aber es hält bedingungslos Kurs. Es gibt keine Untiefen, es gibt diverse Songs, die man sich gut mit einem Weezer-typischen aufwändigen Video vorstellen kann, das dann wieder auf irgendeinen TV-White-Trash-Spot verweist: die Muppets, Happy Days, Hugh Hefner oder Daktari. Was auch immer. Das hier ist Spaß, der sich nicht erklären will. “My Best Friend” und “We Are All On Drugs” sind wohl herausragend im Schaffen Cuomos, ansonsten ist alles wie gehabt. Und “Pinkerton” bleibt unerreicht. Eine gänzlich andere Popjournaillen-Karriere liegt den Epoxies zugrunde. Im Punk-Centerfold-Mag Ox abgefeiert, lud ich aus Lebensüberdruss mal den auf der Webseite dargebotenen Song “Need More Time” runter. Seitdem bin ich Fan. Können jetzt machen, was sie wollen, echt. Diese melodiebesessene E-Punk-Nummer mit dem Kim-Wilde-”Kids In America”-Touch läuft immer noch auf privaten Oktoberfesten des Herzens. Das neue Album, muss man sagen, hält da nicht mehr ganz mit. So richtig fällt den Epoxies keine Lösung ein, wie man auf den 80s-Revival-Backlash reagieren soll. Dennoch eine tolle Band, die mit Sängerin Roxy unglaubliche Hooks und Ergriffenheit in jeden Song packen kann. Der Himmel vergelt’s, dass jene sich arg gleichen in der Albumgesamtheit. Schön natürlich ihr Scorpions-Cover “Robot Man”. Die Stylos aus Portland muss man gefälligst mal entdecken, und Weezer muss man nehmen und lassen, wie sie eben sind.



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