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Timid Tiger

»Timid Tiger And A Pile Of Pipers«

[Lado / Rough Trade / VÖ: 01.05.2006 ]

Text: linus volkmann, linus volkmann

Hair-Metal galt immer als schlimmes Verbrechen. Musikalisch sowieso, und optisch dachte man dabei an Männer in Lederwesten mit Indianerfeder-Ohrringen, Haifischzahn-Kette, Jeans der Größe Bodypainting und eben toupierter Übermähne wie Tina Turner oder Bonnie Tyler. Seit The Darkness geht diese Zumutung aber mittlerweile auch schon als ironischer Dress-Code, der mit der Ernsthaftigkeit des Lächerlichen spielt, durch. Im Styler-Gitarren-Rock dagegen werden coole Frisuren und Lad-Look immer wichtiger, allgegenwärtiger und unironischer. Dieses Paradigma wird nur selten benannt, schließlich soll alles selbstverständlich, verschlafen und beiläufig geil aussehen.

Timid-Tiger-Gitarrist Christian Voß entsprach diesem Bild in seiner Zeit als Intro-Praktikant perfekt: Schlafzimmer-Äuglein, schlurfender Gang, wie ihn nur Rockstars oder Gebrechliche draufhaben, und immer tolle Haare. Auch seine Band erinnert vom Aussehen an die Strokes aus Köln-Mitte. Und musikalisch hat dabei die Garage samt dazugehörigem Sound auf die fünf Jungs einen Einfluss gehabt. Ansonsten ist ein Strokes-Vergleich natürlich arger Stuss. Timid Tiger machen sehr aufwändigen Pop, der Elemente wie Dreck und Scheppern nur als Putz benutzt, um seine Pop-Inszenierung ein wenig schicker abgerissen aussehen zu lassen. Schließlich kommt es immer besser an, im clubbig-klaustrophobischen Rasenden Falken als in der geleckten Enterprise zu fliegen. Aber Timid Tiger können mich nicht täuschen. Sie sind Pop-Perfektionisten und ihre Songs ausgefuchst wie clevere Architektur. Man hört Morricone-Sounds, bekommt Throw-That-Beat-Klimperkeys ab, Robo-Voices und wird vom amtlichen Rhythmus dabei stets auf Kurs gehalten. Easy Listening, Beat-Musik, Pop, Indie-Wurzeln. Timid Tiger können alles – das ist Entertainment, das ist Aus-dem-Vollen-Schöpfen. Und apropos Throw That Beat: Jetzt-Katze und Ex-Throw-That-Beat Cornfield macht das komplette Artwork, das eine große Rolle bei der Band spielt. Ja, ja, ihr Angeber, ihr könnt wohl gar nichts “laufen lassen” oder keine Frage, die eine Plattenproduktion aufwirft, mit “Kollege kommt gleich” abtun. Warum auch, wenn man viele Ideen und die Macht ihrer Umsetzung hat? Ihr seid “die Perfektion”, jammern da höchstens ich und Madsen ob so viel stylisher Oberfläche. Aber wenn man genau hinhört, hört man ja den Herzschlag. Also können alle zufrieden sein.



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