BEWERTEN
 

Potato Fritz

»Baumwolllitze«

[Fidel Bastro / Broken Silence / VÖ: 17.05.2005 ]

Text: Martin Büsser, Martin Büsser
[9 Kommentare]

Der Name der grandiosen Coverband Boy Division ist nicht nur dem netten Wortspiel geschuldet. Denn Joy Division sind ein mächtiger Einfluss auf Potato Fritz, die Band, bei der wiederum zwei Musiker von Boy Division spielen. Potato Fritz gibt es nun schon seit fast elf Jahren, und so klingen sie auch: Nach jenen “Urgesteinen”, als die sich auch Oma Hans gerne bezeichnen lassen, ohne Probleme damit zu haben, dass solch ein Wort mit Bauchringen und Leberspeck assoziiert wird. Und auch die Musik von Potato Fritz hört sich schon sehr alt an, fast so alt wie EA80, welche stimmungsmäßig immer wieder in den Sinn kommen.

Das ist Dunkelpunk-Wave-Core mit Achtziger-AJZ-Volxküchen-Flair. Rudelweise laufen Hunde durchs Bild. Und der Sänger, der irgendetwas Verzweifeltes singt, wird 1980er-alike dermaßen von den Gitarren zugehämmert, dass kein Wort zu verstehen ist und nur noch der Blick ins Beiheft hilft. “Die Zeitbombe heilt alle Wunden, doch sie tickt ihm viel zu langsam.” Oh ja, das sind Volxküchen-Band-Texte. Das hätte so auch 1989 auf einer Single der Boxhamsters stehen können. Aufgrund dieses Zeittunnels lösen Potato Fritz ein Wechselbad der Gefühle aus: Es ist einfach, ihnen eine wie auch immer geartete popkulturelle Relevanz im Jahre 2005 abzusprechen. Andererseits scheißen solche Urgestein-Bands ja sowieso auf Begriffe wie “popkulturelle Relevanz”, finden sie so schnöselig wie wahrscheinlich das gesamte Intro und haben damit immer ein bisschen Recht und sind zugleich selbst immer auch ein bisschen anmaßend. Wer jedoch einen Großteil seiner Jugend in AJZs verbracht hat, wird beim Hören dieses Trauer-und-Wut-Cores wohl kaum schaurigen Gefühlen entgehen können, die alles Mögliche von Nostalgie bis Beklemmung auslösen. Eine Zeit kommt in den Sinn, zu der die Veränderung der Verhältnisse allen Beteiligten greifbar nah erschien, ausdiskutiert zwischen Reispfanne und nie ganz kühlschrankkaltem Bier. Eigentlich ist die Zeit für eine solche Musik vorbei, verweist sie doch auf uneingelöste Träume. Andererseits gibt es nichts Arroganteres als Kritiker, die den Menschen mit Begriffen wie “popkulturelle Relevanz” ihre Träume leidig machen.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 
  • patte 27.05.2005 | 02:01:30
    #*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#
    ein wirklich wunderbares album. kann mir zur zeit ein leben ohne diese cd nicht vorstellen.

  • User: Harold Z
  • Harold Z 27.05.2005 | 04:40:13

    unhörbar.

  • barcode75 26.09.2005 | 17:24:49

    stimmt! riesengroß!

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]

 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]

 
  • THREADS ZU DIESEM ALBUM

  •