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Micatone

»Nomad Songs«

[Sonar Kollektiv / Rough Trade / VÖ: 17.05.2005 ]

Text: Burkhard Welz, Burkhard Welz

Micatone-Nomad Songs
Fly-Fly

Musik, die die Welt braucht. Auch außerhalb der Freistil-Klientel, die sich mit Souljazz im weitesten Sinne beschäftigt. Micatone haben sich in Jazzanova-Berlin und um Berlin herum eine nicht unerhebliche Fangemeinde erspielt. Nicht nur durch eine gekonnte Live-Präsentation, sondern auch mit dem feinen Gespür für Melodien und Songstrukturen, die sowohl den TripHop-Fan der 90er als auch den Sympathisanten eines diametralen Zusammenspiels von Akustik und Computer in die weit ausgebreiteten Arme nehmen. Also: retromoderne Dopplung in allen Bereichen. So was funktioniert.

Anders als bei den vorangegangenen Alben beschränkt sich die Crew um DJ Rogall und Sängerin Lisa Bassenge (u. a. re:jazz) auf einige wenige elektronische Beats. Ein paar Scratches, ein paar Effekt-Loops, und gut ist. Trotzdem klingt man beileibe nicht wie jede x-beliebige Irgendwie-Jazz-Formation. Drei zentrale Songs transportieren “Nomad Songs” in das vegetative Nervenkostüm: “Out Of The Game” ebnet den Weg mit großartiger Bridge ins Album, “Nomad” mit Akkordeon und Klimax bildet das Herzstück, und das sinnliche “Circle” ist der perfekte Rausschmeißer – aus einer fett geschmierten Butterfahrt ins sonare Berlin. Von Berlin nach Helsinki ist nur ein Katzensprung – zumindest mit grenzenloser Nonchalance. Fly und das zugehörige Label Jupiter hatte man bislang noch nicht auf dem Plan bzw. der Landkarte. Umso überraschender das Ergebnis. “Fly” ist die populäre Umsetzung eines Stils, den man in manchen Kreisen schon fast gänzlich abgehakt hatte. Stevie Wonder, Quincy Jones oder auch Galliano standen Pate. Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Denn das Songmaterial wurde von Antti Hymnninen und Jose Mäenpää zeitgenössisch aufgearbeitet, ohne sich um Fallen wie Retro oder Acid Jazz zu scheren. Die Beats und Arrangements sind so mitreißend, dass es passieren kann, dass man sich morgens den Milchkaffee vor Schreck oder Begeisterung in den Ausschnitt kippt. Wem Nuspirit Helsinki, Benny Sings, Georg Levin oder everybody’s darling Ernesto’s etwas sagen, der bekommt hier Vollbedienung. Und der Ansatz ist noch viel populärer und glänzender, als die angeführten Referenzen es je erklären könnten. Feldversuche zeigen: Nicht nur die Bar-Klientel groovt um den Cocktail, auch Bier’n’Korn-Trinker lassen fünfe gerade sein. Reingehört und mitgekauft.



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