BEWERTEN
 

Künnecke & Smukal

»Magic Friends«

[Peacific / Broken Silence]

Text: Martin Büsser, Martin Büsser

In Hamburg hat ein Schiff aus Chicago angelegt. Doch es hatte keine Obst- und Gemüsekisten, sondern Sea And Cake an Bord. Im Ernst: Andi Künnecke und Christian Smukal frönen dem fragilen Chicago-Sound rund um David Grubbs und dessen ganzem Abitur-Pop-Umfeld fast schon unbekümmert distanzlos, aber sie frönen ihm auf wunderbare Weise. Den Background der Musiker – Künnecke spielte bei der Abstract-Core-Band unHOLD, Smukal ist noch immer Musiker bei Sport – hört man “Magic Friends” nicht mehr an. Alles ist hier geschmeidig, nicht einmal der englische Gesang lässt einen Akzent erkennen. Entspannt werden die Akustikgitarren gezupft, Bossa Nova und leicht aufgeschäumter Jazz streifen vorüber – und nur böse Menschen kämen auf die Idee, das Diebstahl zu nennen.

Es ist vielmehr verblüffend, wie Künnecke und Smukal eine dermaßen komplexe und zugleich unaufdringliche, warm und vielschichtig arrangierte Platte anscheinend gerade mal eben so haben aufnehmen können. Gespickt mit sehr viel “Da-ba-da-ba”-Gesumme, wird es bei dieser Musik in Hamburg plötzlich unglaublich warm, Palmen säumen den Alsterstrand. Derzeit in Deutschland ein Album aufzunehmen, dem so gar nichts Deutsches anhaftet, hat schon etwas mit Mut zu tun, ist ein Statement, kein Plagiat. Eine wichtige Platte, die sich zugleich kein bisschen wichtig nimmt.



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aus Intro #128 (Juni 2005)
 
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