BEWERTEN
 

Alexander Hacke

»Sanctuary«

[Koolarrow / Indigo / VÖ: 23.05.2005 ]

Text: Martin Büsser, Martin Büsser

“Ich steh auf Zerfall”, hatten die Einstürzenden Neubauten einmal verkündet. Doch dann sind sie in die Theaterhäuser eingezogen, ohne dass auch nur der Putz gewackelt hätte. Umso erstaunlicher, dass Alexander Hacke, nachdem sein Weg ihn von Crime & The City Solution bis zu Meret Becker geführt hat, nun eine CD vorlegt, die sich nicht wirklich prätentiös oder “high brow” anhört. Die sehr rhythmischen, oft kargen Nummern bleiben einem Konzept von leicht unterkühltem, avantgardistischem Pop verpflichtet, dem man die Zeit, aus der derlei Konzepte stammen, auch ein wenig anhört – die Achtzigerjahre. Kein Wunder, liest sich doch auch die Besetzung der Gastmusiker wie ein seit 1985 nicht mehr aktualisiertes Telefonbuch: Foetus ist mit von der Partie, Chrislo Haas (Liaisons Dangereuses) und Caspar Brötzmann.

Neu dagegen ist ein unverkrampfter Eklektizismus, der Wave, Blues, Elektropop, Noise und wallende Keyboards je nach Belieben zusammenlaufen lässt. Das hört sich manchmal an wie eine pathosfreie Version von Faith No More, deren Billy Gould dieses Album auch auf seinem eigenen Koolarrow-Label veröffentlicht hat. Alles in allem eine positive Überraschung, wenn auch der Titelsong mit seinem Kitt aus Laibach, Foetus und anderen finsteren Grabesgesang-Gesellen an jenen 1980ern kratzt, auf deren Zerfall wir uns doch eigentlich gefreut hatten.



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