BEWERTEN
 

DJ Koze a.k.a. Adolf Noise

»Wo Die Rammelwolle Fliegt«

[Buback / Indigo]

Text: Autor unbekannt
[5 Kommentare]

Es kam nie besser an, sich abends in Clubs oder fremden Städten mit wem auch immer über DJ Koze zu unterhalten. Fast jeder hat mittlerweile den Hit “Zuviel Zeit” dieser neuen Solo-Platte (nach “Wunden S. Offene Beine” von vor, ach, Jahrzehnten, oder?) gehört und was dazu zu sagen. Und falls nicht, bekommt man trotzdem Legenden von dem genial irren Untier erzählt. Selbst in der Schweiz erfuhr ich unlängst was: Koze habe bei einem Set so laut aufgedreht, dass selbst die Drugheads jammernd an die Regler stolperten, um um Gnade zu bitten. Doch da trafen sie Koze nicht an. Der stand etwas entfernt und prügelte sich seinen Kopf im Rhythmus gegen die Wand.

Wow. Der Typ muss in puncto Legende und Rocker-Zuschreibung nicht mal Gunter Gabriel fürchten. Der ja auch der Held jenes ersten Stückes ist und auftaucht in den Samples aus einem RTL-”Punkt 12”-Bericht, die Koze zusammenschnitt. Diese Technik, TV-Trash zu einem musikalischen Witz zusammenzumontieren, wähnte eine frühere Äußerung in diesem Magazin hier nahe an Stefan Raabs “Flasche Bier” oder dem “Maschendrahtzaun”. Sachlich nicht falsch, wird der Verweis dem Adolf-Noise-Track aber alles andere als gerecht. Denn “Zuviel Zeit” ist neben dem gespielten Witz auch ein geistreiches Statement zur deutsch-deutschen Realität. Der arrogante Wessi (selbst ja hochverschuldet, alkoholbelastet und präpotent – daher perfekt verkörpert durch Gabriel) und der faule Ossi. In dieser No-Win-Situation der ungleichen Affenbrüder fühlt man sich als Hörer gut aufgehoben – Gesamt-Deutschland ist Elend. Sehr viel besser aufgehoben als zum Beispiel bei der Titanic-Kampagne “Die Partei”. In der das notorische Ostler-Bashing durch das Heft und neu gebildete witzige Weststudenten-Zellen schon längst so weit umgeschlagen ist, dass man sich dabei so wohl fühlt, wie wenn an der Bushaltestelle eine alte Frau von Gaunern verprügelt wird. Am Anfang stellt man sich hin, dass man bisschen besser sieht und denkt: “vielleicht ganz nette Unterhaltung”. Aber nach so zehn Minuten kippen zwangsläufig langsam die Sympathien. Denn zu der in der Kampagne mitschwingenden Schlussfolgerung “West-Deutschland will rise again” kann man sich einfach nicht durchringen. Dazu aber nur so viel. Denn “Rammelwolle” besitzt noch mehr als diesen plakativen Hit. Hysterische Radierer-Miniaturen wie “Auf Dem Gymnasium” oder beschaulicher Ambient mit sphärischem Gesang, der immer wieder eine Zeile wiederholt. Die aber erst im Ausklang so unverzerrt gespielt wird, dass man sie verstehen kann. Sie sagt: “Die Bäume verursachen Stress.” Alten Kram wie den Tocotronic-”Jackpot”-Remix hat er auch noch draufgepackt, und ob jeder andere Song so neu ist, bezweifle ich. Ist aber kein Vorwurf, denn diese Platte möchte sicher nichts sein als eine Sammlung von Kozes DJ-Fips-Assmussen-Persönlichkeit.



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  • User: Harold Z
  • Harold Z 06.06.2005 | 10:46:11

    lieblos volkmann

  • User: Reverend
  • Reverend 06.06.2005 | 10:49:42
    war immer aufrichtig
    Da hat einer wohl keinen Draht gefunden. Dann halt über Raab und DIE PARTEI geschrieben.

  • User: haru_specks
  • haru_specks 06.06.2005 | 10:54:12
    shine on
    ja, an "zuviel zeit" hat er sich schon etwas sehr langatmig abgearbeitet.

  • User: MothersNewCreature
  • MothersNewCreature 07.06.2005 | 20:20:55

    Die vermeintlich langatmige Abarbeitung fand ich aber recht gut. Nur der Titanicabschweifer und dass dann der Rest der Platte so untergeht ist vorbeigeschossen.

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