BEWERTEN
 

22 Pistepirkko

»Drops & Kicks«

[Bon Voyage / Soulfood / VÖ: 25.05.2005 ]

Text: Wolfgang A. Müller, Wolfgang A. Müller

Wenn die Spannung flöten geht, ist jede Beziehung schnell im Eimer. Wohl auch darum führen 22-Pistepirkko – die Brüder P-K und Asko Keränen und Drummer Espe Haverinen – fort, was sie beim ungewohnt transparent klingenden Vorgängeralbum “Rally Of Love” praktizierten: raus aus der Hermetik, aus dem kleinfamilialen Maulwurfsdasein, das sich einstellt, wenn man 25 Jahre lang mit immer denselben Leuten abhängt. Welche Unterhose trägst du heute, Asko? Ach, die kenne ich schon. 22-Pistepirkko haben trügerischer vermeintlicher Gewissheit die Vergewisserung durch Diskussion vorgezogen: Neil Youngs Soundmann John Hanlon, Stefan Kvarnström von den Tambourine Studios, Kalle Gustafsson (Bassist bei The Soundtrack Of Our Lives) assistierten bei “Drops & Kicks” und schneiderten den drei Finnen einen bemerkenswert trockenen Sound, der sie ihr Schaffen ohne Ablenkung in aller Tiefe und Breite ausloten lässt.

Zwischen dumpfem Blues-Rock, fragilen Schlurfern und Temptations-ähnlichem Mantra, einer die Ramones und Buzzcocks heraufbeschwörenden Reminiszenz, Espes Noir-Ballade “X-(Wo)Men”, trunkenen Singalongs und dem Neil-Young/Arthur-Lee-Bastard “We Ought” spannt sich ein ganzer, sparsam eingerichteter Kontinent auf. Man wähnt ihn entdeckt, aber erneut klingt die Band irritierend: ungeschliffen, direkt und doch seltsam körperlos. Immer wieder macht sich zwischen gnatzigen Gitarrenriffs launiger Session-Charakter bemerkbar: Bei “Hello Sunshine” hört man im Hintergrund Applaus; Klicken und Brummen, sogar das Glühen der Röhren scheint irgendwie seinen Weg auf die Platte gemacht zu haben. Auch kurz vor der Silberhochzeit bleibt es spannend.



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